Werkzeugmaschinen

Mara Hofacker,

Präzise Bearbeitung auf 5-Achs-Bearbeitungszentrum

Wie aus fehlender beruflicher Perspektive und dem Zutrauen in die nachfolgende Generation ein erfolgreiches Formen- und Werkzeugbau-Unternehmen entstehen kann, zeigt Swen Emde. Er ist Geschäftsführer von Recyclinghof-Diemelsee Emde. Nach der Gründung 2016 investierte er direkt in ein 5-Achs-Bearbeitungszentrum mit der Zuversicht, dass er damit präzise und effizient Werkzeuge und Maschinenteile bearbeiten kann, ohne Ausfälle zu riskieren.

Im Vergleich mit anderen 5-Achs-Bearbeitungszentren von Hermle besitzt die C 400 U den größten Arbeitsraum im Verhältnis zur Aufstellfläche. © Hermle

Swen Emde ist gelernter Werkzeugmechaniker und Feinwerkmechaniker-Meister. Nachdem ihm seine Karriereaussichten in seinem ursprünglichen Ausbildungsbetrieb zu gering waren, stieg der 26-Jährige in den Betrieb seines Vaters ein. Wilfried Emde produziert seit 23 Jahren auf dem Recyclinghof Diemelsee sortenreines Granulat aus Kunststoffresten. Diese fallen beispielsweise bei der Kunststoffverarbeitung oder beim Spritzguss an. Swen Emde absolvierte erfolgreich die Meisterschule und entwickelte die Idee, den väterlichen Betrieb um den Geschäftszweig Werkzeug- und Formenbau zu erweitern. Auf den Gedanken kam er durch eine Firma, die ihren Werkzeugbau stillgelegt hatte: „Wir übernahmen den Bereich und ersetzten die alten durch moderne Maschinen.“

Von links: Benjamin Finck, Produktmanager, Swen Emde, Geschäftsleiter, und Werkzeugtechniker Benjamin Paulus von Recyclinghof-Diemelsee Emde. © Hermle

Neben drei CAD/CAM-Arbeitsplätzen baute sich Emde einen Maschinenpark auf, zu dem neben einer Drahterodier- und Drehmaschine auch zwei Bearbeitungszentren der Maschinenfabrik Berthold Hermle zählen. Das Highlight ist die 5-Achs-Anlage C 400 U. Mit diesem fertigt er neben Formwerkzeugen für die Kunststoffindustrie auch Prototypen für den Möbel- und Automobilbau. Ein Jahr später investierte er in ein weiteres Fräszentrum aus Gosheim: Die C 400 V in 3-Achs-Ausführung nutzt er vor allem, um schnell und effektiv die Werkstücke für die Präzisionsbearbeitung auf der 5-Achs-Maschine vorzubereiten.

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Start mit einem 5-Achs-Bearbeitungszentrum

„Von der Zuverlässigkeit der Hermle-Maschinen konnten wir uns schon bei unserem vorherigen Arbeitgeber überzeugen“, verrät der Geschäftsleiter. Für ihn war damit klar, dass er sich ohne Umschweife an Hermle wenden würde. „Wenn man nur eine Maschine hat, wie wir am Anfang, muss man sich hundertprozentig auf sie verlassen können“, bekräftigt Benjamin Finck. Er ist Projektmanager und ließ sich von Swen Emde vor rund drei Jahren direkt überzeugen, mit ihm den Werkzeugbau-Bereich aufzubauen. Beide haben schon früher zusammengearbeitet und bringen das notwendige Know-how und die Erfahrung gleichermaßen mit. „Die erste Hermle ist ein wichtiger Grundstein für die positive Entwicklung“, erklärt Swen Emde. „Schon allein durch die hohe Wiederhohlgenauigkeit heben wir uns von der Konkurrenz ab“, ergänzt Finck.

Dank ihrer Präzision erreicht die C 400 U die von Emde geforderte hohe Wiederholgenauigkeit. © Hermle

Basis für die Präzision der C 400 U ist der Bearbeitungstisch, der in dem Maschinenbett aus Mineralguss beidseitig gelagert ist. Um Werkstücke bis 600 kg bearbeiten zu können, wählte Emde den Schwenkrundtisch mit einer Aufspannfläche von 650 × 540 mm im Durchmesser. Ebenfalls entscheidend für die hohe Positioniergenauigkeit ist das Antriebskonzept der A-Achse: Indem der mechanische Antrieb direkt in das Zahnrad am Tischgehäuse greift, verhindert Hermle zuverlässig Wellentorsion am Schwenkrundtisch. „Damit erfüllt sie unsere Anforderung an Maßhaltigkeit und Toleranz“, bestätigt Emde.

Benjamin Paulus kontrolliert die Spritzgussformen nach der Bearbeitung. © Hermle

Den ersten Kontakt zu Hermle nahm Emde über die Firmenwebsite auf. Sechs Monate nach der Bestellung konnte die C 400 U innerhalb von drei Tagen in Betrieb genommen werden. Vier Tage investierte der Adorfer in eine Schulung. Die eigentliche Programmierung findet allerdings vom Computer aus via HSM Works oder SolidCAM statt. „An der Maschine direkt programmieren wir eigentlich gar nichts mehr“, erklärt Finck. Die anschließende Bearbeitungszeit der einzelnen Werkstücke liegt zwischen zwei und 80 Stunden – inklusive Umspannzeit. Das bedeutet: Während der Werkzeugbau ein reiner Einschicht-Betrieb mit fünf Mitarbeitern ist, läuft das 5-Achs-Bearbeitungszentrum bis in die Nacht hinein. Das steigert deutlich die Produktivität des kleinen Unternehmens. „Dazu gehört natürlich das Vertrauen in die Maschine, dass sie auch in der mannlosen Schicht problemlos arbeitet“, betont Emde. Und für den schlimmsten Fall gibt es die Auffahrsicherung der Werkzeugspindel. Sollte es doch zu einer Kollision kommen, nehmen mehrere Stauchhülsen die Kollisionsenergie auf und verhindern ernsthafte Schäden am System. Doch so weit ist es bis heute noch nie gekommen. „Selbst, wenn die Maschine im Notaus war, konnten wir sie schnell wieder freifahren. Auch darin zeigt sich die Bedienerfreundlichkeit – es frisst keine Zeit und kostet keine Nerven“, lobt Finck.

Schneller Service

Was Maschine und Bediener können, zeigt Swen Emde mit dem Weltmeisterschaftspokal, den er anlässlich der letzten WM gefräst hat. © Hermle

„Haben wir mal ein Problem, das wir nicht alleine beheben können, hilft der Hermle-Service schnell und kompetent weiter, und die Maschine ist entsprechend schnell wieder am Span“, erklärt der Geschäftsleiter. Schnell bedeutet, dass er meistens einen Rückruf innerhalb von zwei Stunden erhielt und der Servicetechniker, falls notwendig, innerhalb von 20 Stunden vor Ort war. Der Werkzeugmaschinenhersteller war auch eine entscheidende Anlaufstelle, als es um ein konkretes Fertigungsproblem ging. „Bei einer Kleinserie standen wir vor der Anforderung, eine gedrehte Fläche im Inneren des Bauteils erzeugen zu müssen“, erinnert sich Finck. Nach einiger Recherche kontaktierten sie ihren Berater, der sie auf das Interpolationsdrehen brachte. „Durch das Update der Steuerung mit dem Zusatzprogramm konnten wir die rotationsymmetrischen Konturen in der gewünschten Oberflächenqualität mit einem Fräswerkzeug erzeugen“, ergänzt der Projektmanager. Für Emde ist diese Option ein absoluter Gewinn: „Wir sind eines der wenigen Unternehmen im nordhessischen Landkreis, das das Interpolationsdrehen anbieten kann“, betont Swen Emde.
„Läuft alles so, wie wir es uns vorgestellt haben“, resümiert Emde. Wobei er in Anbetracht der hohen Auslastung eine Sache anders machen würde: „Aus heutiger Sicht würden wir zusätzlich in eine Automationslösung investieren.“

Nach Unterlagen von Hermle / ag

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