ERP-Systeme und KI

Andreas Mühlbauer,

Neue Anforderungen an ERP-Systeme durch KI

Künstliche Intelligenz wird in den nächsten fünf Jahren Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle deutlich verändern – dies sagen 85 Prozent der CEOs, die im Rahmen des 22nd Annual Global CEO Survey von PwC befragt wurden.

Künstliche Intelligenz wird Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle deutlich verändern. © iStockphotos, peterhowell

Knapp die Hälfte der Befragten aus Westeuropa haben bereits KI-Initiativen eingeführt, bislang meist jedoch nur für einen begrenzten Einsatzbereich. Doch das wird sich ändern. 

Obwohl für viele Unternehmen KI noch entfernte Zukunftsmusik ist, haben die erreichte Reife intelligenter Technologien und die Erwartungen an Enterprise-Resource-Planning- (ERP-)Systeme die Geschäftsanforderungen grundlegend verändert. ERP-Systeme müssen ihre Schwerfälligkeit verlieren und offen sein für Drittanwendungen, damit Unternehmen schneller von technologischen Neuerungen profitieren können. Ein Anspruch, dem sich – so die Erfahrung aus der Projektpraxis mit Epicor-ERP-Systemen – ERP-Anbieter und Anwenderunternehmen gleichermaßen stellen müssen. Dies wird in den folgenden Erwartungen für KI-fähiges ERP deutlich.

1. Plattform-Konzept für mehr Entwicklungsoptionen

Cloud-basierte Plattformen erlauben es Anwendern, unterschiedliche Funktionsbausteine miteinander zu kombinieren – ähnlich wie in App-Stores für Smartphones. Diese Anforderung stellen auch Unternehmen, die derzeit noch nicht auf ein Cloud-Modell für ERP setzen wollen. Daher sind ERP-Systeme interessant, die mit einem Plattform-Konzept als On-Premises-Version die gleiche Software-Architektur haben wie als Cloud-Version. So stehen Unternehmen einem zukünftigen Wechsel in die Cloud keine technischen Hürden entgegen, sie können aber schon heute von den Vorteilen einer Plattform-Struktur profitieren.

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2. Flexibler Prozess bei Einführung intelligenter Technologien

Intelligentes ERP beruht auf der Fähigkeit des Systems, auf eine Vielzahl an Technologien für intelligente Funktionen zugreifen zu können. Dies beginnt in Unternehmen zumeist damit, sich wiederholende Routineprozesse im Hintergrund zu automatisieren. Schrittweise kommen weitere Funktionen hinzu  – etwa Machine Learning bis hin zu Deep Learning für Fehlererkennung in der Produktion, Predictive Analytics für Bedarfsplanungen und Forecasts, Natural Language Processing für sprachgesteuerte Systeme in der Fertigung oder im Lager bis hin zu lernenden Algorithmen für autonome Systeme. Dieses Vorgehen sichert die Wirtschaftlichkeit von Innovationen und vereinfacht deren Akzeptanz im Arbeitsalltag.

So geht auch die Bitkom davon aus, dass „ERP-Systeme, als digitaler Prozess- und Daten-Hub in Unternehmen, immer stärker mit KI-Technologien angereichert werden“. ERP-Systeme müssen also darauf vorbereitet sein, dass Neuerungen dieser Art jederzeit nach Anforderung schrittweise eingebunden und weiterentwickelt werden können.

3. Skalierbare Webservices

Unternehmen fordern intelligente Technologien. © Epicor

Intelligente Systeme erfordern erhebliche Datenmengen, um Trends, Muster und Korrelationen zu erkennen bis hin zu der Fähigkeit, daraus zu lernen und Schlüsse zu ziehen. Die dafür nötigen IT-Systeme sind nur als Cloud- beziehungsweise Web-Services wirtschaftlich sinnvoll. Dies hat zwei Konsequenzen: Der Zugang zu intelligenten Technologien steht Unternehmen jeder Größenordnung offen und ist nicht mehr eine Frage des IT-Budgets. Technologisch ist dafür allerdings eine Modernisierung auf ein ERP-System erforderlich, das in der Software-Architektur auf einer entsprechenden Industrie-Plattform basiert wie beispielsweise Microsoft .NET, um nahtlos auf Ressourcen von Azure zugreifen zu können.

Mit einer ERP-Plattform, die beispielsweise mit Microsoft Azure kommuniziert, ist es vergleichsweise einfach, Unternehmensprozesse mit intelligenten Cloud-Services und KI-Funktionen zu verbinden. So können Internet of Things (IoT)-Funktionen als „Plug and Play“ zur Verfügung gestellt werden, um IoT-Geräte nahtlos mit der Cloud zu verbinden. Auf „KI von der Stange“ setzen laut einer aktuellen Deloitte-Studie 65 Prozent der in Deutschland befragten KI-Verantwortlichen in Unternehmen. Daneben setzen laut Deloitte 61 Prozent der deutschen Firmen auf Unternehmenssoftware mit integrierter KI.

4. Domain-Expertise für schnelleren Einsatz intelligenter Systeme

Auch wenn technisch der Zugang zu intelligenten Technologien über Webservices kaum noch eine Hürde darstellt, sind sie dennoch für den industriellen Einsatz keine Out-of-the-Box-Lösung. Was hier zählt, hat die Bitkom in ihrem Report zu „Künstliche Intelligenz und ERP“ beschrieben: „Die eigentliche Leistung des ERP-Anbieters ist es, bereits vorangelernte Modelle mit auszuliefern, die dann individuell pro Kunde erweitert werden. Ein kritischer Faktor ist die Semantik der ERP-Daten. Diese muss einer KI durch den Anbieter ‚beigebracht‘ werden.“ Es geht also um die Domain-Expertise des ERP-Anbieters für bestimmte Branchen-Anforderungen oder Funktionsbereiche, die entscheidend dafür ist, dass die Systeme zuverlässig und schnell die geforderte Optimierung erreichen.

5. Signifikant höhere operative Effizienz

Derzeit konzentrieren sich Führungskräfte auf die Optimierung des eigenen Unternehmens. Organisches Wachstum ist das Credo, neue Märkte oder strategische Allianzen spielen eine untergeordnete Rolle. Da westeuropäische Unternehmen mit etablierten IT-Systemen zumeist bereits eine hohe Effizienz erreicht haben, ist die Erwartungshaltung an die Ergebnisse, Perspektiven und Innovationsvorsprünge, die eine ERP-Modernisierung liefern muss, erheblich. Stehen Upgrades des bestehenden Systems an, wird oft eine grundsätzliche Modernisierung in Erwägung gezogen mit Vorbereitung auf intelligente Technologien.

6. Schnellere Systemimplementierung

ERP-Implementierungen müssen in wenigen Monaten den „Go Live“-Status erreichen, zugleich aber alle Türen für die Weiterentwicklung in Richtung KI offenhalten. Branchenspezifische Funktionen, verbunden mit Industriestandards in der Software-Architektur sind die Voraussetzung, damit aus einer schlanken ERP-Installation keine technische Sackgasse wird. Denn es ist laut Bitkom abzusehen, dass KI die ERP-Landschaft verändern und zu einem wesentlichen Wettbewerbsfaktor wird. Bislang war es die Aufgabe von ERP, Informationen zu organisieren, Reports zu generieren und Echtzeit-Daten zu visualisieren. Aber Unternehmen fordern intelligente Technologien, um Trends und Muster zu erkennen, Handlungsempfehlungen zu geben und komplexe Prozesse zu automatisieren. Die Freiheitsgrade moderner ERP-Plattformen werden helfen, die Anforderungen zu erfüllen. Denn sie ermöglichen die Vernetzung mit der damit verbundenen Prozessverbesserung und schaffen damit die Voraussetzung für den Einsatz intelligenter Technologien.

Dirk Löhmann, Regional Vice President Continental Europe bei Epicor Software / am

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