Enterprise Resource Planning

Andrea Gillhuber,

ERP-Lösungen in der Industrie 4.0

Transparenz und Datenabgleich in Echtzeit sind für eine effiziente Kopplung von Produktions- und Geschäftsprozessen essenziell. Wie flexible ERP-Lösungen bei der digitalen Transformation unterstützen. 

Wie flexible ERP-Lösungen bei der digitalen Transformation unterstützen. © Bild: Shutterstock / Jirsak

Weit mehr als eine Million Menschen in Deutschland arbeiten derzeit im Maschinen- und Anlagenbau, von jeher eine der zentralen Branchen der deutschen Wirtschaft. Die rund 6.450 Unternehmen verzeichneten dabei laut VDMA-Studie „Maschinenbau in Zahl und Bild 2018“ jüngst einen Umsatz von 226,2 Milliarden Euro und tragen so signifikant zur gesamten Wirtschaftsleistung des Landes bei. Doch die zuletzt positive Auftragsentwicklung geht einher mit zahlreichen Herausforderungen. So berichtet jedes vierte Unternehmen beispielsweise über einen Mangel an Fachkräften. Hinzu kommt eine Materialknappheit, von der sich laut VDMA jedes fünfte Unternehmen betroffen fühlt. Industrieunternehmen, die sich zukunftsorientiert und wettbewerbsstark aufstellen wollen, suchen nach neuen Möglichkeiten, ihr Portfolio beispielsweise um datengestützte Service-Leistungen zu erweitern. Damit sich Vorhaben wie diese erfolgreich realisieren lassen, ist eine flexible und individuell anpassbare Geschäftssoftware vonnöten, die es gestattet, Produktions- und Firmenprozesse zusammenzuführen und einen einheitlichen, stets aktuellen Datenüberblick zu schaffen.

Ein integriertes ERP-System schafft solche Freiräume und gibt Verantwortlichen in Unternehmen die ganzheitlichen Informationszusammenhänge, die sie benötigen, um datenbasierte, fundierte Entscheidungen zu treffen. Im Fokus stehen hierbei Datentransparenz in Echtzeit sowie ein jederzeit abrufbarer Überblick über alle geschäftsrelevanten Abläufe, so dass sich Prozesse messbar effizienter und agiler verwalten, kontrollieren und gegebenenfalls ändern lassen.

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Dass veraltete Systeme überholt und digitale Abläufe sowie Technologien eingeführt werden müssen, steht auf der Modernisierungsagenda vieler Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau ganz oben. Die Experten von PAC haben in diesem Zusammenhang herausgefunden, dass 62 Prozent der produzierenden Betriebe ihre Systeme in den kommenden zwei Jahren um neue Funktionen erweitern wollen. Einen besonderen Stellenwert nehmen im Zuge dieser Maßnahme die mobile Lagerlogistik, die Produktions- und Ressourcenplanung sowie das Variantenmanagement ein. Insbesondere das Zusammenspiel der verschiedenen Funktionen und Aufgabenfelder sowie die konsequente Abkehr von Insellösungen und separat voneinander operierenden Systemen für unterschiedliche Abteilungen und Bereiche sind hierbei sehr wichtig, denn die stete Kommunikation und der kontinuierliche Informationsaustausch sind das A und O effizienter digitaler Strategien und Abläufe.

Zentrale Fragen für die erfolgreiche ERP-Einführung

Damit umfangreiche IT-Vorhaben wie die Einführung eines neuen ERP-Systems gepaart mit der hiermit einhergehenden Datenmigration erfolgreich in die Tat umgesetzt werden können und sich Investitionen schnell amortisieren, sollten sich Unternehmen im Vorfeld die folgenden Fragen stellen: Stehen Effizienzsteigerungen, agilere Materialdisposition oder verbesserte Liefertreue im Fokus? Oder geht es vorrangig um Datenaustausch in Echtzeit zwischen dem ERP- und den Shopfloor-Systemen? Neben derartig funktional-operativen Anforderungen sollten auch Ziele zur Reduktion der IT-Kosten im Lastenheft detailliert fixiert werden. Diese lassen sich mit einem ERP-System aus der Cloud aufgrund rationalisierter Softwarewartung und weniger aufwändigen Release-Wechsel einfach realisieren.

Damit nicht genug: Beachtung finden sollten zudem auch strategische Ziele wie Standortvernetzungen, die Mitein- beziehung neuer Märkte oder der Aufbau neuer Lieferantenpartnerschaften. Zukünftiges Unternehmenswachstum sollte bei der Systemauswahl ebenso eine Rolle spielen. Insbesondere bei Unternehmen mit hohen Wachstumsraten bietet sich die Implementierung eines cloudbasierten ERP-Systems an, da es die erforderliche Skalierbarkeit von Haus aus mitbringt.

Vorhaben priorisieren, ROI abschätzen

Die Implementierung eines neuen ERP-Systems reiht sich zudem oftmals ein in eine Reihe anderer Optimierungsvorhaben, mit denen Maschinen- und Anlagenbauer ihre Zukunftsfähigkeit verbessern wollen. Da Firmen jedoch nicht in alle Pläne und neuen Systeme gleichzeitig investieren können, müssen sie priorisieren und genau festlegen, welche Reihenfolge sinnvoll ist.

Der zu erwartende Return on Investment (ROI) gibt Verantwortlichen wichtige Orientierung und Hilfestellung bei dieser schwierigen Entscheidung: Abschätzen lässt sich dieser, wenn alle finanziellen Aspekte des neuen ERP-Systems über die Nutzungszeit hinweg ins Verhältnis zu anderen Investitionen gesetzt werden. Ein wichtiger Faktor sind in diesem Zusammenhang die Einsparungen, die sich mit der neuen Software dank höherer Prozesseffizienz erzielen lassen. Hierbei sind neben den Anschaffungs- und Installationsinvestitionen auch mögliche Beratungsleistungen und Ausgaben für Wartung, Betrieb und Weiterentwicklung wichtig. Nicht vernachlässigt werden darf zudem die Frage, ob und in welchem Ausmaß individuelle Systemanpassungen notwendig sind. Auch hier bieten ERP-Lösungen aus der Cloud diverse Vorteile, da sich mit ihnen neue Funktionen je nach Bedarf hinzubuchen lassen, ohne dass Anwender mit nennenswerten Investitionen in Vorleistung gehen müssen.

Steht der Anpassungsbedarf fest, sollten die Projektverantwortlichen in einem nächsten Schritt über einen geeigneten Architekturansatz entscheiden: Best-of-Breed, Best-of-Suite oder das serviceorientierte Architekturmodell? SOA punktet insbesondere dadurch, dass die ERP-Plattform mit bereits existierenden On-Premise-Systemen im produktionsnahen Bereich genauso flexibel interagiert wie mit IoT-Lösungen oder KI-basierten Analysetools aus der Cloud.

Zum Ende der Einführungsphase sollten des Weiteren auch sogenannte weiche Aspekte beachtet werden. Hierzu gehören beispielsweise ein begleitendes Change-Management innerhalb des Unternehmens, aber auch die Expertise und der Service der zur Wahl stehenden System-Provider.

Im Maschinen- und Anlagenbau geht es mehr noch als in anderen Branchen um ein Integrationspotenzial der IT-Infrastruktur, da sich wirtschaftliche und produktionsbezogene Prozesse nur dann in Echtzeit koordinieren lassen, wenn alle an der Wertschöpfung eines Unternehmens beteiligten Abteilungen und Funktionen an einer gemeinsamen Plattform angebunden sind und die entsprechenden Daten in einem System zusammenlaufen. Dieser Aspekt ist zudem die Basis für eine effiziente, flexible und kostenzentrierte On-Demand-Produktion von Klein- und Kleinstserien bis zur Losgröße 1. Ein flexibles ERP-System wird damit zum Steuerungscockpit für zukunftsorientierte Produktionsstandorte.

Neue Wege wagen, langfristige Erfolge erzielen

Auch wenn der Auswahlprozess einer ERP-Lösung eine anspruchsvolle Aufgabe ist: Der Zeitaufwand lohnt sich. Egal ob mobile Instandhaltung, Predictive Maintenance, die automatische und somit zeitsparende und fehlerminimierende Verarbeitung von Eingangsrechnungen oder eine noch variantenreichere Fertigung: Dies sind nur einige Beispiele für Prozesse, die sich mithilfe moderner IT verbessern und beschleunigen lassen. Hinzukommen Kostenminimierungen und optimierte Transparenz, die Hersteller in die Lage versetzen, sich schneller und flexibler an neue Anforderungen der Kunden und des Marktes anzupassen und so wertvolle Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

Jörg Weinheimer, Vice President Enterprise Market bei Sage und Geschäftsführer der Sage bäurer GmbH / ag

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