Virtuelle Realität

Andreas Mühlbauer,

VR-Lösungen im Vertrieb

Schauenburg Maschinen- und Anlagen-Bau erreicht durch den Einsatz von Virtual-Reality-Technologie verbesserte Vertriebschancen und eine signifikante Kostenersparnis. Für den Austausch mit Kunden im Vorfeld eines Geschäftsabschluss erweist sich die Lösung der WeAre als wertvolles Werkzeug. Die Besonderheit: Interessent und Vertriebsmitarbeiter können sich in den virtuellen Anlagenmodellen zur Begehung treffen.

Daniel Hübner, Konstruktionsingenieur bei Schauenburg (links), und Norman Perten, Vertriebsleiter von Schauenburg, demonstrieren die We Are-Lösung. © WeAre

Separationsanlangen zur Fest-Flüssig-Trennung, Bodenwaschanlagen oder Anlagen zur Aufbereitung von Sand, Kies und Mineralien: Ganz gleich, für welche Art von Anlage sich ein Kunde von Schauenburg interessierte, Vertriebsleiter Norman Perten stand bis vor kurzem vor dem immer gleichen Problem. Damit sich ein Interessent ein Bild vom Produkt machen konnte, musste ein Termin auf einer Baustelle vereinbart werden, auf der das gewünschte Modell gerade im Einsatz war. Ein großer Aufwand für den Anlagen- und Maschinenbauer aus Mülheim an der Ruhr – zeitlich, organisatorisch und finanziell.

Heute läuft ein solcher Termin dank einer VR-Lösung des Berliner Start-ups WeAre völlig anders ab. „Das Treffen findet beim Kunden statt. Alles, was ich oder einer meiner Vertriebskollegen benötigen, habe ich in einem handlichen Koffer bei mir“, erklärt Perten. Denn was er braucht, ist lediglich eine VR-Brille, ein leistungsfähiges Notebook sowie sogenannte Lighthouses zur Begrenzung des virtuellen Raumes. Der Kunde setzt die Brille auf und findet sich daraufhin in einem realitätsgetreuen 3D-Modell der Anlage wieder. Hier erwartet ihn Daniel Hübner zur gemeinsamen Begehung. Der Konstruktionsingenieur ist bei Schauenburg verantwortlich für den VR-Einsatz. „Die Möglichkeit, sich in der virtuellen Realität zu einem Termin zu verabreden, und zwar unabhängig davon, ob sich die Teilnehmer im gleichen Raum oder auf einem anderen Kontinent befinden, ist ein Alleinstellungsmerkmal, das WeAre vergleichbaren Systemen voraus hat“, sagt Hübner.    

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Der Transport einer Schauenburg-Anlage mittels Lkw ist sehr aufwendig. © Schauenburg

Eine Lösung, viele Vorteile

Die verbesserten Möglichkeiten im Vertrieb sind ein entscheidender Vorteil, von dem Schauenburg durch die WeAre-Lösung heute profitiert. Jeder, der die Brille nach einem virtuellen Rundgang absetze, habe ein Lächeln im Gesicht, so Perten. „Wenn wir Kunden ein solch positives und neuartiges Erlebnis bieten können, lässt er sich natürlich auch leichter für unser Produkt begeistern.“ Der Kundentermin ist aber nicht der einzige Anwendungsfall, bei dem Schauenburg auf VR setzt. Auch auf Messen erweist sie sich als wertvolles Vertriebsinstrument.

Denn schon die kleinste Anlage aus dem Schauenburg-Produktportfolio ist sechs Meter lang und zweieinhalb Meter breit. Soll eine solche Anlage etwa auf der Fachmesse bauma in München gezeigt werden, verursacht allein der Transport hohe Kosten. Hinzu kommt, dass ein entsprechend großer Messestand benötigt wird, der ebenfalls teuer bezahlt werden muss. Als Ergebnis kann nur ein einziges Modell der zahlreichen verschiedenen Schauenburg-Anlagen präsentiert werden. „Mithilfe der VR-Lösung können wir beliebig viele unterschiedliche Systeme zeigen und sparen gleichzeitig Transport- und Standkosten“, sagt Perten. „Noch viel stärker fällt dies natürlich bei Auftritten auf internationalen Messen, zum Beispiel in Dubai, ins Gewicht.“

Doch nicht nur zu Präsentationszwecken eignet sich die VR-Technologie. Auch in der Planungs- und Konstruktionsphase kann sie zum Einsatz kommen. Denn weil die Anlage virtuell bereits existiert, werden mögliche Schwachstellen noch vor ihrem Aufbau erkannt. So erinnert sich Perten an einen Fall, in dem an einer Anlage für einen australischen Kunden noch nach dem Aufbau Korrekturen durchgeführt werden mussten. Der Grund: Der verbaute Fußlauf musste ein anderes Maß als in Deutschland besitzen, um konform zu den australischen Gesetzen zu sein. Dies zog seinerzeit einen großen Aufwand nach sich. „Heute können wir einfach den Sicherheitsbeauftragten des Kunden in die virtuelle Anlage einladen, sodass dieser eventuelle Hürden schon im Vorfeld benennen kann. Unnötige Aufwände dieser Art werden also vermieden.“

Einfache Handhabung, optimale Zusammenarbeit

Als Konstruktionsingenieur ist Daniel Hübner für die Erstellung der 3D-Modelle zuständig. Ihn überzeugt dabei vor allem die unkomplizierte Handhabung der Anwendung. „Die native Datei aus dem 3D-CAD-Programm wird einfach per Drag & Drop in die WeAre-Anwendung gezogen, wo sie innerhalb von wenigen Minuten automatisch in das benötigte Format konvertiert wird. Das Ausgangsprogramm spielt dabei keine Rolle“, erklärt er. Als Ergebnis erhält er ein beliebig skalierbares und begehbares 3D-Modell, das auch Explosions-Ansichten oder Schnitt-Ansichten erlaubt.

Gleichermaßen ist er mit der Zusammenarbeit mit den Entwicklern des Start-ups zufrieden. So habe man seitens Schauenburg während der Entwicklungsphase zahlreiche Anregungen an WeAre weitergegeben. Viele davon wurden bereits umgesetzt oder werden in einem der regelmäßig veröffentlichten Updates Berücksichtigung finden. Der Austausch zwischen WeAre und Schauenburg ist ein kontinuierlicher Prozess, sodass die Anlagen- und Maschinenbauer auch zukünftige Neuerungen beeinflussen können. Vorstellbar wäre zum Beispiel ein Modell, in dem jedes einzelne Teil virtuell „gegriffen“ und in einen Warenkorb gelegt werden kann. Durch eine ERP-Anbindung könnte daraufhin automatisch die Bestellung des entsprechenden Teils erfolgen. Aktuell ist man bei Schauenburg jedoch sehr zufrieden mit dem jetzigen Stand der VR-Lösung. „Wir sind restlos überzeugt und haben die Anschaffung bereits allen Unternehmen der Schauenburg-Gruppe empfohlen“, bestätigt Hübner.

Philipp Laufenberg, Journalist aus Bonn.

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