Verkürzte Time-to-Market

Andrea Gillhuber,

Mit digitalen Technologien schneller am Markt

Eine effiziente Produktentwicklung ist entscheidend, um den Gewinn eines Unternehmens zu steigern. Denn die Time-to-Market schlägt sich unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens nieder. Die zunehmende Reife digitaler Technologien gibt produzierenden Unternehmen jetzt die Chance, diese deutlich zu verkürzen. Von Marcel Buchner

Tech Mahindra - Digitale Technologien für eine kürzere Time-to-Market nutzen. © Shutterstock / Chesky

Einer der wirkungsvollsten Hebel, um die Kosten der Produktentwicklung im Griff zu behalten und das Maximum aus den Investitionen zu gewinnen, ist die Markteinführungszeit. Von ihr hängen Marktanteile und damit Profitabilität eines Produkts ab: Das Unternehmen, das mit einer Neuheit zuerst am Markt ist, kann damit bis zu 40% Marktanteil besetzen. Für das zweite bleiben noch maximal 24%, für das dritte 14%, wie Al Ries und Jack Trout in ihrem Buch „The 22 Immutable Laws of Marketing“ ausführen. Sechs Monate Verzögerung beim Markteintritt kosten über die Lebensdauer des Produktes hinweg ein Drittel der Erlöse.

Dennoch ist die Produktentwicklung in den meisten Unternehmen nicht so effizient wie sie sein könnte. Denn im Lauf der Zeit sammeln sich verschiedene Normen, Methoden, Verfahren und Prozesse, die den Weg zur Markteinführung erschweren und verlängern, z.B. späte Design-Freezes und Lieferanten-Onboarding, unterschiedliche Systeme bei OEMs und Lieferanten, kein Zugang zu Lessons Learned, zu komplexes Design ohne entsprechende Kundennutzen oder eine suboptimale Verteilung und Nutzung der Produktentwicklungsressourcen. Viele Unternehmen nutzen Methoden wie Lean Management, VA/NVA (Value Added/Non Value Added) Analysen, Plattformstandardisierungen oder Qualitätsaudits, um ihre Prozesse zu verschlanken. Doch oft sind die Grenzen des damit Möglichen erreicht. Jetzt steht eine Reihe digitaler Technologien in einem hohen Reifegrad zur Verfügung, die diese Grenze verschieben, den Entwicklungsprozess effizienter machen und so die Markteinführung beschleunigen.

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Vielversprechende digitale Tools

In der Phase der Produktkonzeption ist die Kundenorientierung der entscheidende Faktor – schließlich soll der Kunde das Produkt kaufen. Dies geht jedoch nicht ohne zu wissen, wer die eigenen Kunden überhaupt sind. Bislang wurden sie über Zielgruppen erfasst. Nachteil dieser Methode: Eine Zielgruppe ist eine anonyme Masse, so dass es schwerfällt, sich eine Vorstellung des Kunden zu machen. Buyer Personas hingegen zeichnen ein klares, umfassendes Bild eines typischen Kunden mit spezifischem Aussehen, Alter, Lebensgeschichte, Hobbies und Verhalten. Diese Aspekte lassen sich mittels Data Analytics aus Käufer- und Nutzungsdaten sowie externen Analysen gewinnen. Bei der Erstellung der Buyer Persona und ihrer Verteilung im Unternehmen bieten Persona Mapping Tools hilfreiche Unterstützung. Sie liefern Vorlagen und relevante Fragestellungen zur Persona-Entwicklung sowie Visualisierungs-Tools. Bei der Produktkonzeption lassen sich damit Fragen wie „Warum sollte die Person das neue Produkt kaufen?“, „Liefert das zusätzliche Feature einen wirklich Mehrwert für sie?“, „Welches Design gefällt ihr besser?“ leichter und realistischer beantworten.

Steht das Produktkonzept, lässt sich mit Hilfe des 3D-Drucks ohne kosten- und zeitaufwändigen Werkzeugbau hochwertige Prototypen erstellen. Zugleich eröffnet der 3D-Druck viel Freiheit beim Design, nicht nur im Prototyping, sondern auch in der Fertigung von Produkten in Kleinserien bis zu Losgröße 1.

Digitaler Zwilling – Schlüsselkomponente für die schnelle Time-to-Market

Ein mächtiges Tool bei der Produktentwicklung ist der digitale Zwilling. Damit lassen sich parallel auch ohne Prototyp Simulationen durchführen, um das Verhalten von Komponenten und Materialien in Echtzeit zu analysieren. Co-Innovation über Abteilungs- und Unternehmensgrenzen hinweg macht die Entwicklung einfacher und schneller. Durch bessere Abstimmungsmöglichkeiten und Zugriff auf Analysen sinkt zudem die Zahl der Fehlplanungen, vor allem bei komplexen Projekten. Um einen digitalen Zwilling zu erstellen, werden 3D-Konstruktionsdaten, Produkt-Stammdaten und Messwerte von Sensoren auf dem Prototypen verknüpft, analysiert und als digitales Abbild des Produktes visualisiert.

Diese 3D-Daten lassen sich auch für Virtual Reality (VR) Anwendungen zu nutzen. Damit können Produkte vor ihrer Herstellung realitätsgetreu erfahren und Fehler oder Schwächen in einem sehr frühen Stadium behoben werden. Für einen der größten Automobilhersteller in den USA hat Tech Mahindra einen virtuellen Showroom aufgebaut, in dem Kunden die Fahrzeuge erleben können ohne dass diese physisch anwesend sind.   

Ein digitaler Zwilling lässt sich nicht nur für Produkte erstellen; auch Prozesse und Services lassen sich digital in Echtzeit abbilden. Das vereinfacht die Kommunikation und Abstimmung zwischen Abteilungen, aber auch zwischen Unternehmen eines Ökosystems und trägt so dazu bei, die Time-to-Market erheblich zu verkürzen. Ähnlich in der Produktion: Werden alle Produktionsschritt digital simuliert und auf dieser Basis optimiert, kann die Fertigung gleich mit dem idealen Prozess anlaufen – bis hinunter zu den Maschineneinstellungen. Unternehmen, die die Maschinenzustände während der Fertigung in Echtzeit überwachen und analysieren, können mittels Predictive Maintenance die Qualität der Produktionsprozesse sicherstellen und Maschinenausfälle oder verminderte Produktqualität durch Maschinenschäden verhindern. So hat Tech Mahindra z.B. beim weltweit größten Hersteller für Industriemotoren die Ausfall- und Stillstandszeiten des Maschinenparks deutlich reduziert.     

Blockchain mit viel Potenzial für produzierende Industrie

Die Blockchain-Technologie hat sich vor allem bei Banken und im juristischen Umfeld bereits als wirkungsvolles Instrument zur Verbesserung der Zusammenarbeit erwiesen. Dabei eröffnet sie gerade auch in der produzierenden Industrie enorme Mehrwerte, allen voran Transparenz über alle Unternehmensbereiche, vom Lieferantenmanagement über den strategischen Einkauf, Auftragsvergabe bis zu den Produktionsprozessen hinunter auf Maschinenebene; ebenso die Zusammenarbeit innerhalb eines Ökosystems. Bei der Bauteileverifizierung stellt die Blockchain als die eine verlässliche Quelle eine Vertrauensbasis zwischen OEMs, Lieferanten und anderen Partnern her und ermöglicht die Nachverfolgbarkeit (Traceability). Die Auftragsvergabe läuft über Smart Contracts erheblich schneller. Und da keine redundanten Dokumente mehr entstehen, entfallen auch die dadurch entstehenden Prozesse.

Ein interessanter Use Case verbindet den digitalen Zwilling mit Lifecycle-Management auf Basis der Blockchain-Technologie. Alle Beiträge, Leistungen und Informationen von sämtlichen (Sub-)Lieferanten und anderen Unternehmen entlang der Supply Chain werden hier als digitaler Zwilling im digitalen Kontenbuch (smart ledger) erfasst. Während des gesamten Produktlebenszyklusses werden die Daten zu dessen Nutzung, Garantiefällen, Standort, Eigentümerschaft, etc. in der Blockchain gesammelt. Damit können Unternehmen all diese Vorgänge überwachen und erhalten maßgebliche Einblicke in den After-Market, in dem noch ungeheures Potential liegt.

Einführung digitaler Technologien

Unternehmen, die digitale Technologien nutzen möchten, sollten sich zuerst Transparenz verschaffen, wie weit ihre verschiedenen Bereiche in Sachen Digitalisierung bereits fortgeschritten sind. Diese erhalten sie mit einem Self-Assessment. So haben sie eine solide Basis, um für jeden Bereich einen Ziel-Reifegrad zu definieren und Projekte entsprechend zu priorisieren. Dabei hat es sich als sinnvoll erwiesen, jedes Projekt mit einem Zeitrahmen inklusive Milestones zu versehen. So ist auch bei der Digitalisierungsstrategie eine möglichst hohe Effizienz gewährleistet.  

Führende Unternehmen sind bereits auf dem Weg einer umfassenden digitalen Transformation und beschleunigen damit auch ihre Produktentwicklung. Die Zeit drängt, um den Anschluss nicht zu verlieren und neue Potentiale zu erschließen. Hierbei kann ein Partner, der nicht nur über Expertise zu allen digitalen Technologien verfügt, sondern auch Erfahrung in der Umsetzung bei produzierenden Unternehmen mitbringt, wertvolle Unterstützung bieten. Denn auf Basis der bereits durchgeführten Implementierungen kann er die ersten Quick-Win-Projekte identifizieren und zeitnah umsetzen. Indem sie schnelle Mehrwerte liefern und als interne Leuchttürme dienen, fungieren sie häufig als Auslöser für die Umsetzung eines umfassenden Konzeptes, das vom gesamten Unternehmen getragen und aktiv unterstützt wird.

Der Autor: 

Marcel Buchner, Tech Mahindra GmbH © Tech Mahindra GmbH

Marcel Buchner,Country Manager Enterprise Germany & Austria, Tech Mahindra GmbH

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