Wortwechsel zu Ortungstechnologie-Standard

Andrea Gillhuber,

Mit Omlox in die Zukunft

Für die Entwicklung des neuen Ortungstechnologie-Standards „omlox“ haben sich rund 60 Industrieunternehmen zusammengetan. Eins davon ist der IT- und Software-Dienstleister GFT Technologies SE, der aktuell sein Industriegeschäft stark ausweitet. Im Interview erzählt Siegfried Wagner von der GFT Tochterfirma in-integrierte informationssysteme GmbH, was den omlox-Standard so besonders macht und wie sich reine Lokalisierungs- in nützliche Business-Daten umwandeln lassen.

GFT omlox-Adapter © GFT

Was genau ist omlox?

Siegfried Wagner: Omlox ist der weltweit erste Ortungsstandard für die Industrie. Damit lassen sich verschiedene Lokalisierungstechnologien wie Ultrabreitband, RFID, 5G oder GPS kombinieren und über eine einheitliche Schnittstelle bereitstellen, so wie man es aus dem Konsumentenbereich mit USB- oder Bluetooth-Technologie kennt. Auf diese Weise können Industriebetriebe ihre Lieferketten komplett nachvollziehen und in einem durchgängigen System überwachen. Bisher gab es oft einen Bruch, wenn es vom Outdoor-Standard GPS in die Halle ging. Nun ist ein Übergang ohne Unterbrechung möglich – also „seamless“, wie wir auf IT-Deutsch sagen. Gabelstapler, Drohnen, fahrerlose Transportsysteme oder Werkzeuge verschiedener Hersteller lassen sich millimetergenau mit nur einer Infrastruktur lokalisieren.

Was hat GFT mit omlox zu tun?

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Siegfried Wagner von der GFT-Tochterfirma in-integrierte informationssysteme GmbH © GFT

Wagner: In der GFT-Tochterfirma, die ich verantworte, beschäftigen wir uns bereits seit Jahren mit dem Thema Lokalisierungstechnologie und halten diesen gemeinsamen Standard für eine große Errungenschaft. Ortungsdienste und Ortungstechnologie sind ein vielversprechender Markt für die Branche, weshalb wir das Thema als Priorität in der GFT Industry-Strategie verankert haben. Aus diesem Grund sind wir Gold Partner bei omlox geworden. Schon in der frühen Entwicklungsphase des neuen Standards haben wir unsere eigene IIoT-Plattform sphinx open online kompatibel ausgerichtet, um durch die Verknüpfung von Maschinen- und Komponentendaten mit omlox-Lokalisierungsdaten neue sinnvolle Anwendungsfälle für die Industrie aufzuzeigen. Denn entscheidend ist an dieser Stelle, nicht nur gute Geodaten zu haben, sondern diese in eine funktionierende Business-Logik zu integrieren.

Kann man bei der Verbindung von omlox mit der IoT-Plattform von GFT tatsächlich von „plug and play“ sprechen?

Wagner: Ja, das ist nicht übertrieben. Das Gesamtpaket besteht aus der anzubindenden Hardware plus omlox-Standard plus Adapter für die IoT-Plattform plus sphinx open online. Der Adapter wurde von unseren GFT Kollegen in Karlsruhe just in time entwickelt und stet den Anwendern bereits zur Verfügung. Mit diesem Gesamtpaket eröffnen sich für Industrieunternehmen ganz neue Möglichkeiten – bis hin zur Automatisierung der Anlieferung und aller darauffolgenden Schritte. Denn das Besondere an sphinx open online ist das „Model in the Middle“, also die Kommunikation in alle Richtungen. Es geht nicht nur um das Sammeln und Anzeigen von Daten – das sogenannte „Dashboarding“ – sondern um das automatisierte Überprüfen von Bedingungen und Auslösen von Aktionen.

Wie arbeiten omlox und sphinx open online im Detail zusammen?

Wagner: Wir haben gerade das neueste Release von sphinx open online herausgebracht – Version 9.0. Der darin enthaltene neue Location Service liefert die Business-Logik, die die Arbeit mit Positionsdaten durch die Definition und Verarbeitung von Bedingungen erst effektiv macht. Der Service verknüpft Informationen wie benötigte Materialien pro Prozessschritt, deren Standorte und Zielpunkte und löst ohne Zeitverlust Aktionen aus, sobald beispielsweise die Produktionsvorbereitung komplett ist. Dann kann der Produktionsschritt automatisch starten oder der Mitarbeiter mit detaillierten digitalen Arbeitsanweisungen unterstützt werden. Mitarbeiter, die den Standort wechseln und über einen Positionstag verfügen, lassen sich mit den jeweils passenden Informationen pro Position versorgen. Einmal definierte Verknüpfungsregeln können vielfach verwendet, aber auch jederzeit angepasst werden.

Können Sie das noch etwas genauer ausführen? Haben Sie Beispiele, wie das Zusammenwirken in der Praxis aussieht?

Wagner: Ein ganz einfaches Beispiel: Mitarbeitern bleibt durch den Einsatz der Tracking-Technologie die aufwändige Suche nach Werkzeugen, Materialien und Fahrzeugen erspart. Die IoT-Plattform visualisiert die Position von bewegten Objekten in Gebäuden und in der Umgebung – und kann zusätzlich vielfältige Informationen zu diesen Objekten anzeigen und verknüpfen. Auch die Kombination der Lokalisierungsdaten mit Daten aus weiteren IT-Systemen oder mit Maschinendaten ist möglich. So lassen sich mit sphinx open online Abläufe optimieren und nötige Eingriffe sofort einleiten – sei es durch einen Produktionsverantwortlichen oder durch das System selbst. Denn basierend auf den Signalen der Lokalisierungslösung können Ereignisse auch automatisch ausgelöst werden, so dass sich Lagerhallen und Fabriken zu Umgebungen mit sich selbst organisierenden Abläufen und vernetzten Objekten entwickeln. Ich denke diese Perspektive ist für viele Unternehmen hochinteressant und zeigt, dass der Einsatz von omlox ein wichtiges Puzzleteil für die Digitalisierung der Industrie ist.

Wie würde man vorgehen, wenn man mit Hilfe von GFT omlox einführen wollte?

Im Rahmen unserer Beratungsleistungen bieten wir Kunden Workshops an, um innerhalb von drei Tagen praktikable Anwendungsfälle zu identifizieren. Gemeinsam nehmen wir das jeweilige Potenzial für die Optimierung der lokationsabhängigen Unternehmensprozesse unter die Lupe. Unsere Experten arbeiten basierend auf Best Practices und haben schon viele Digitalisierungsprojekten durchgeführt, bei denen Ortungsdaten mit anderen produktionsbezogenen Informationen kombiniert wurden. Gerade letztes Jahr konnten wir beispielsweise unsere Erfahrungen im Bereich Lokalisierungslösungen bei einem großen deutschen Automobilhersteller unter Beweis stellen.

Was kann omlox in Zukunft noch bringen?

Der omlox-Standard wird in Zukunft viele derzeit noch schwer umzusetzende Use Cases vereinfachen, denn er bietet die Möglichkeit unkompliziert Hard- und Software verschiedener Hersteller zu verbinden. Ich glaube wir werden erst nach und nach herausfinden, welche Türen uns dadurch plötzlich offenstehen. Die Technologie kann sich zudem zu einem Enabler für völlig neue Geschäftsmodelle oder digitale Services entwickeln. Wir befinden uns hier also wirklich noch am Anfang, und jeder, der mitmacht, geht einen wichtigen und visionären Schritt Richtung Zukunft.

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