Interview: Digitalisierung im Mittelstand

Den Digitalisierungsgrad messen

Mit der Aufklärungskampagne „Digital OR Dead“ möchte Abas Software gemeinsam mit Partnern verhindern, dass der deutsche Mittelstand in Sachen Digitalisierung ins Hintertreffen gerät. Im Kurzinterview verrät Mark Muschelknautz mehr über die Beweggründe.

Mark Muschelknautz im Interview: "Viele KMUs sind in Gefahr, in den nächsten 15 Jahren zu verschwinden, weil sie technologisch den Anschluss verlieren." © Shutterstock.com / inamar

Wie hoch ist der Digitalisierungsgrad des deutschen Mittelstands?

Eine der präzisesten Antworten auf diese Frage gibt uns Prof. Gerrit Sames mit seiner Studie über den Digitalisierungsgrad von Geschäftsprozessen im Mittelstand. Er hat bei 155 Unternehmen 41 Geschäftsprozesse in nahezu allen Unternehmensbereichen daraufhin untersucht. Die Ergebnisse zeigen nicht ganz unerwartet, dass der Digitalisierungsgrad bei größeren Unternehmen fortgeschrittener ist. Allerdings bewegt er sich insgesamt auf geringem Niveau.

Die Untersuchungsergebnisse lassen zudem den Schluss zu, dass im Mittelstand eine deutliche Diskrepanz zwischen bereits verfügbaren Technologien zur Digitalisierung und ihrer tatsächlichen Anwendung in den Unternehmen besteht. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und den Möglichkeiten von Geschäftsmodellerweiterungen kann der Stand der Digitalisierung nur als bedenklich eingestuft werden. Der Studie nach zu urteilen hat der deutsche Mittelstand offenbar ein Umsetzungsdefizit.

Mark Muschelknautz, Chief Marketing Officer bei Abas ERP © Abas ERP

Welche Auswirkungen hat der geringe Digitalisierungsgrad für ein Unternehmen?

Die Konkurrenzfähigkeit sinkt, es ist nicht so schnell, es kann mit den Preisen der digitalisierten Mitbewerber nicht mithalten. Wichtige Daten, was sich beispielsweise seine Kunden an Innovationen wünschen, kann es nicht so zeitnah umsetzen wie seine Konkurrenten, die mit ihren Kunden in einem digitalen Dialog stehen.

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Der neue Konkurrent bietet möglicherweise den Endkunden neue, spannende Mehrwerte, wie eine Nachverfolgung von der Auftragserteilung bis zur Anlieferung des bestellten Produkts. Das setzt eine digitale Infrastruktur voraus. Aber für mich ist eine der gefährlichsten und am meisten unterschätzten Auswirkungen: Die Menschen in einem Unternehmen, das aktuelle Technologietrends konsequent ignoriert, werden abgehängt. Stehenbleiben kann verhängnisvoll sein. Umgekehrt hat die Lust an Innovation und Wettbewerb positive Auswirkungen auf die gesamte Unternehmenskultur. Heute ist es wichtiger denn je, als Einzelner und als Unternehmen am Ball zu bleiben.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Kampagne „Digital OR Dead?

Wir wollen aufklären. Viele KMUs sind in Gefahr, in den nächsten 15 Jahren zu verschwinden, weil sie technologisch den Anschluss verlieren. Mit unserer Kampagne nähern wir uns dem Thema in einer maximal verständlichen Sprache, ohne Tech Talk und mit konkreten Vorschlägen. Wir geben Tipps, die aus der Zusammenarbeit mit Industriepartnern und Universitäten entstanden sind.

Wir schlagen den teilnehmenden Firmen konkrete Dienstleistungen oder Technologien vor. Wir haben eine Gruppe von Partnern und Spezialisten gebeten, passende Workshops, Beratungsmodule oder auch Produkte zu schnüren. Auch einige unserer eigenen Angebote sind enthalten.

Wie genau kann die Kampagne dem Mittelstand helfen, eben nicht ins Hintertreffen zu geraten?

Wir sind seit über 30 Jahren als ERP-Anbieter auf dem Markt. Die Realitäten und Herausforderungen der fertigungsnahen KMUs sind uns bewusst. Bevor die meisten sich mit künstlicher Intelligenz und Machine Learning beschäftigen, haben sie etliche wichtigere Aufgabenstellungen, um aufzuholen. Wir beginnen daher mit einem „Readiness Test“, den Prof. Gerrit Sames von der Technischen Hochschule Mittelhessen entwickelt hat. Hiermit können sich Betriebe auf den Digitalisierungsgrad ihrer wichtigsten Geschäftsprozesse hin testen und mit anderen, ähnlichen Unternehmen vergleichen. Auf Basis der Testergebnisse erläutern wir ihnen im Anschluss in einfachen Worten, welche Schritte man gehen müsste, um in dem betreffenden Bereich wettbewerbsfähiger zu werden.

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