Editorial

Andrea Gillhuber,

Rockstars der Wissenschaft

„Das Kapital, das von den Nachlassverwaltern in sichere Wertpapiere realisiert wurde, soll einen Fonds bilden, dessen Zinsen jährlich als Preis an diejenigen ausgeteilt werden sollen, die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben. Die Zinsen werden in fünf gleiche Teile aufgeteilt.“ Dieser Satz aus dem Testament von Alfred Nobel legt die Basis für den Nobelpreis. Doch können Sie aus dem Stand fünf Nobelpreisträger mit ihren Entdeckungen aufzählen? Und können Sie sagen, welchen Einfluss diese Entwicklung oder Entdeckung auf Ihr Leben hatte, hat und haben wird?

Andrea Gillhuber, SCOPE-Chefredakteurin. © WBM

Natürlich kennen wir Pioniere wie Alexander Fleming, den Entdecker des Penizillins, Marie Curie, die erste Frau, die den Nobelpreis sowohl für Physik als auch Chemie errungen hat. Aber trotz Nobels Kriterium – „der Menschheit den größten Nutzen erbracht hat“ – fällt es in der Regel schwer, aus den Entdeckungen der Preisträger sofort den konkreten Nutzen für einen selbst und auch für die Gesellschaft zu definieren.

Denn wüssten Sie, dass ohne die Forschung von James P. Allison und Tasuku Honjo manche moderne Krebstherapie noch nicht anwendbar wäre, ohne Paul Christian Lauterbur und Peter Mansfield es die Magnetresonanztomographie, kurz: MRT, nicht in der heutigen Form gäbe und dass Jack Kilbys Arbeit zu integrierten Schaltkreisen die Basis der heutigen ICs mitbegründete?

In diesem Jahr ist es anders: Der Nobelpreis für Chemie geht an die Wissenschaftler John Goodenough, Stanley Whittingham und Akira Yoshino für die Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien. Und hier lässt sich der konkrete Nutzen schnell festlegen: Ohne diese Technologie des Energiespeicherns gäbe es keine Smartphones mit der für uns selbstverständlichen Leistungsfähigkeit, Laptops wären aufgrund der Größe des notwendigen Stromspeichers keine Option, die Elektromobilität wäre nicht auf dem heutigen Stand und unsere Innenstädte wären frei von Elektrorollern.

Aber der Nobelpreis übernimmt in meinen Augen noch eine weitere wichtige Aufgabe: Er rückt die klugen Köpfe im Hintergrund einmal im Jahr ins Rampenlicht. Er würdigt die Arbeit derjenigen, die unseren Alltag ungemein erleichtern und die wir als selbstverständlich hinnehmen. Denn in der Regel kennen wir Friedensnobelpreistäger wie Barack Obama oder Willy Brandt, Literaturnobelpreisträger wie Winston Churchill oder Bob Dylan, da sie in der Öffentlichkeit standen oder stehen. Bei den Preisträgern für Chemie, Physik sowie Physiologie oder Medizin ist dies nicht der Fall.

Schön fand ich in diesem Zusammenhang - die klugen Köpfe im Hintergrund in den Vordergrund stellen - eine Imagekampagne von Intel: Das Unternehmen setzte in verschiedenen Anzeigen gängige Alltagssituationen der täglichen Arbeit von Intel-Mitarbeitern gegenüber. So steht zum Beispiel das Bild einer Rockband neben dem von zwei Entwicklungsingenieuren. Der Slogan: Your Rock Stars aren‘t like our Rock Stars.

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