VDW-Jahrespressekonferenz

Andrea Gillhuber,

Prokop warnt vor Überheblichkeit gegenüber China

Der VDW gab am 18. Februar die Branchenzahlen für das Jahr 2018 bekannt. Im Rahmen der Pressekonferenz warnte Dr. Heinz-Jürgen Prokop, China zu unterschätzen. Mit VDW-Geschäftsführer Dr. Wilfried Schäfer teilt er die Meinung, dass es in Zukunft zu einem Wettbewerb um die besten Fachkräfte geben wird.

VDW-Vorsitzender Dr. Heinz-Jürgen Prokop warnte davor, China zu unterschätzen. © DesignNPrint/Pixabay

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie bleibt auch 2019 auf Rekordniveau, soviel sei schon einmal gesagt. Die genauen Zahlen finden Sie im Beitrag "VDW erwartet Rekordproduktion trotz rückläufigem Auftragseingang". Doch neben den Zahlen wurden weitere Themen angesprochen, die die Branche herumtreibt.

Sorge um Brexit

Auch bei den Werkzeugmaschinenherstellern ist der Brexit eines der bestimmenden Themen. Erwartungsgemäß gingen die Exporte nach Großbritannien zurück (-15 Prozent) und so nimmt das vereinigte Königreich nur noch 2,5 Prozent der deutschen Exporte ab. Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken, betonte aber in seiner Rede, dass man davon ausgehe, dass Großbritannien auch künftig deutsche Werkzeugmaschinen kaufen muss, um Wettbewerbsfähig zu bleiben. "Deutschland ist der größte Lieferant, und es sind nur noch wenige britische Hersteller am Markt", so Prokop. Dennoch beobachte man die "chaotischen Entwicklungen rund um den Brexit" mit Sorge, produzieren doch einige deutsche Unternehmen in Großbritannien oder arbeiten mit britischen Zulieferern zusammen. Befürchtet werde eine kompliziertere Logistik sowie höhere Kosten für Zulieferteile. Für Kunden sehe es ebenfalls nicht so rosig aus. Prokop: „Noch größer werden die Bedenken, wenn es um die Auswirkungen auf die Kunden geht. Für Automobilisten, Maschinen- und Flugzeugbauer spielt Großbritannien eine sehr viel wichtigere Rolle, als Markt und als fester Bestandteil der Wertschöpfungsketten. Hier sind große Friktionen zu befürchten, wenne in Abkommen fehlt und stattdessen Zölle und Produktkontrollen eingeführt werden.“

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Dass deutschen Werkzeugmaschinenherstellern ein Nachteil entstehen könnte, sollte durch einen ungeregelten Brexit das Auftragsvolumen aus Großbritannien ausbleiben, sieht Dr Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW, weniger kritisch. „Produziert werden muss ja trotzdem“, so Schäfer. Man wird die Situation weiterhin beobachten, doch könne es gut sein, dass sich die Produktion aus Großbritannien in andere Länder verlagert. Und auch dort werden dann deutsche Werkzeugmaschinen gebraucht.

China nicht zu unterschätzen

Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender des VDW © VDW

„Den höchsten Wachstumsbeitrag lieferte von Januar bis November Südostasien mit plus 39 Prozent, jedoch ausgehend von einem noch schmalen Volumen. An der Spitze stand Vietnam mit einem dreistelligen Zuwachs. Hier wirken sich Produktionsverlagerungen aus anderen asiatischen Ländern aus, die Kostensteigerungen im eigenen Land begegnen und dem Handelskonflikt Chinas mit den USA entgehen wollen. Dadurch kommt es zur punktuellen Vergabe von Großaufträgen“, erläuterte Prokop die Situation in Asien.

China und Amerika bleiben aber auch weiterhin die Topmärkte für den deutschen Werkzeugmaschinenbau. „Bei Betrachtung einzelner Märkte zeigt sich, dass China trotz wirtschaftlicher Beruhigung mit großem Abstand der wichtigste Markt für die deutschen Hersteller bleibt. Mit einem Zuwachs von 5 Prozent in den ersten elf Monaten 2018 nimmt das Land 22 Prozent der deutschen Ausfuhren ab, gefolgt von den USA mit rund 13 Prozent Anteil und einem Zuwachs von 7 Prozent“, so Prokop.

Nach dem enormen Wachstum in China beruhigt sich der Markt dort auf Normalmaß. Oxford Economics rechnet laut Prokop für 2019 mit einem Bruttoinlandsprodukt von 6,1 Prozent. „Dass in China dennoch große Unsicherheit herrscht, zeigt die Zurückhaltung der chinesischen Regierung bei der Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten. Seit dem vergangenen September sind praktisch keine aktuellen Zahlen mehr verfügbar. Bekannt ist jedoch, dass die Regierung Maßnahmen zur Dämpfung der Unternehmensverschuldung ergriffen hat, indem sie unter anderem die Kreditkonditionen verschärfte. Das beeinträchtigt die Investitionstätigkeit und zeigt erheblich Bremsspuren bei den Bestellungen in Deutschland“, erklärt Prokop die Situation. Deutsche Hersteller vor Ort seien davon aber weniger betroffen.

„Der Markt ist und bleibt hoch attraktiv, nicht zuletzt, weil der Bedarf an Spitzentechnologie nach wir vor immens ist“, so Prokop. Und obwohl sich China bemühe, die eigene Werkzeugmaschinenproduktion qualitativ zu verbessern und exportfähig zu machen, müsse nach wie vor ein Drittel des Werkzeugmaschinenverbrauchs importiert werden, wohingegen große chinesische Hersteller auf ihren Beständen sitzen blieben, weil sie ihre Maschinen weder hinreichend im eigenen Land verkaufen noch exportieren könnten, so Prokop weiter. Dennoch warnt er davor, China zu unterschätzen oder dem Land, seinen Bewohnern und den dort produzierten Waren mit Überheblichkeit zu begegenen. Zwar seien die verschärften Kreditkonditionen wohl auch ein Grund, warum im Maschinebau zuletzt keine neuen chinesischen Übernahmen deutscher oder europäischer Unternehmen bekannt beziehungsweise getätigt wurden, doch habe das Land weiterhin große Pläne. In diesem Zusammenhang verwies Prokop auf die beiden Initiativen „Made in China 2025“ sowie 2049. Erstere sorgt unter anderem dafür, dass der Auftritt chinesischer Unternehmen auf internationalen Messen professioneller werde und auch die Maschinen an Qualität gewinnen.

Was mit 2049 gemeint ist, ist unter anderem auf tagesschau.de zu lesen. Dem Bericht zufolge möchte China EU-Staaten in eine politische und wirtschaftliche Abhängigkeit von China zwingen. In diesem Zusammenhang betont Prokop wie wichtig es ist, die Chinesen sehr ernst zu nehmen.

Fachkräftemangel spitzt sich zu

Dr. Wilfried Schäfer, VDW-Geschäftsführer © VDW

Ein Problem der Branche ist und bleibt allerdings der Fachkräftemangel. Die gute Auftragslage sowie die durchschnittliche Auslastung der Kapazitäten von fast 94 Prozent sorgen für eine gelassene Stimmung in der Branche. Allerdings blockiert unter anderem der Fachkräftemangel das Geschäft. Eine Entspannung der Lage ist kurzfristig nicht zu erwarten.

Verschärft wird die Situation eher noch dadurch, dass sich die Babyboomer-Generation allmählich in den Ruhestand verabschiedet. Damit verlassen nicht nur Fachkräfte die Unternehmen, sondern auch viel Know-how. „Es wird einen Wettbewerb um die Fachkräfte der Zukunft geben“, ist sich Dr. Wilfried Schäfer daher sicher. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wirbt der VDW beispielsweise mit seiner Nachwuchsstiftung für eine Ausbildung in der Werkzeugmaschinenindustrie.

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