Auswirkungen durch Coronavirus

Andrea Gillhuber,

Produktionsrückgang von 5 Prozent erwartet

Strukturwandel im Automobilbau, schwächelnde Weltwirtschaft, Handelsstreitigkeiten und nun die Corona-Pandemie – das Jahr wird schwierig. Der VDMA fordert nun ein rasches Handeln von Seiten der Politik.

Auf den deutschen Maschinen- und Anlagenbau kommt ein schwieriges Jahr zu. © Pixabay

Das Jahr wird für den deutschen Maschinenbau noch schwieriger als erwartet. Neben den schon länger spürbaren Belastungen wie Handelskonflikte, schwächelnde Weltwirtschaft sowie dem Strukturwandel im Automobilbau kommt nun auch die Corona-Pandemie dazu. Die Folgen letzterer für die Gesamtwirtschaft sind noch lange nicht absehbar.

Bereits das letzte Jahr lief gegen Ende schlechter als prognostiziert: Das Minus von 7 Prozent im Schlussquartal wurde nicht erwartet und sorgte dafür, dass die Produktion im Maschinenbau im Gesamtjahr 2019 um real 2,8 Prozentpunkte sank. Die Auftragseingänge blieben im vergangenen Jahr um 9 Prozent unter ihrem Vorjahreswert. „Die Ausbreitung des Corona-Virus wirft uns spürbar zurück. Selbst unter der Annahme, dass sich die Lage im zweiten Halbjahr entspannt und die Geschäfte wieder besser laufen, werden wir die zusätzlichen Rückgänge in diesem Jahr nicht mehr wettmachen können. Soweit das heute überhaupt berechenbar ist, erwarten wir für 2020 ein reales Produktionsminus von 5 Prozent“, sagt VDMA-Präsident Carl Martin Welcker.

Dringender Appell an die Politik

In der aktuell schwierigen Situation ist das rasche Handeln der Regierung essentiell. Dass in den Betrieben Kurzarbeit nun deutlich schneller eingeführt werden kann und die Sozialbeiträge für Ausfallstunden vollständig von der Bundesagentur für Arbeit ohne weitere Bedingungen übernommen werden können, hält der VDMA für richtig und wichtig. „Aber die neuen Kurzarbeitsregelungen müssen selbstverständlich für alle Betriebe gelten. Der Maschinenbau wurde hier bisher vergessen. Viele Unternehmen kämpfen seit Monaten mit Unterauslastung und brauchen dringend eine praktikable Lösung für eine Verlängerung der Kurzarbeit, die nicht zuletzt aufgrund der Pandemie notwendig ist“, fordert VDMA-Präsident Welcker. Entsprechend darf im “Arbeit-von-morgen-Gesetz“ die Kurzarbeit nicht an umfassende Weiterbildung geknüpft werden. „Wir haben im Augenblick ganz andere Sorgen. Ein Zwang zu einer formalistischen Weiterbildung geht an der Realität völlig vorbei“, betont Welcker. Die mittelständischen Maschinenbaubetriebe seien selbst an einer kontinuierlichen Weiterbildung ihrer insgesamt rund 1,3 Millionen Beschäftigten interessiert. „Dazu braucht es keinen staatlichen Zwang, der uns noch mehr Bürokratie aufbürdet“, betont Welcker.

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Weitere dringend nötige Maßnahmen

Außerdem teilt der VDMA die Meinung führender Ökonomen, dass die nun auf den Weg gebrachten Hilfen für Unternehmen nicht ausreichen werden und fordern weitere Maßnahmen, die auch innerhalb der verfassungsgemäßen Verschuldungsgrenzen umsetzbar wären:

  • eine zinslose Stundung fälliger Zahlungen bei Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Umsatzsteuer,
  • eine Ausweitung des Verlustrücktrags,
  • nennenswerte Abschreibungserleichterungen.

Zudem sei es nun höchste Zeit, die immer wieder versprochenen Entlastungen des Mittelstands auch umzusetzen. „Der Umbau unserer Wirtschaft wird kurz- und mittelfristig nicht durch Finanzierungsprobleme verhindert. Wir leiden vielmehr unter einer Politik, die immer wieder neue Ziele ausruft, ohne eine klare Umsetzungsstrategie zu haben“, mahnt Welcker.

Hinzu kommt: „Entsenderichtlinie, Handelshemmnisse und vielleicht auch noch ein Lieferkettengesetz – der Gesetzgeber bürdet dem Mittelstand immer neue bürokratische Lasten auf, die unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit verringern und insbesondere kleinere Betriebe zunehmend überfordern“, sagt er. Gefragt seien dagegen Anreize für Innovationen, wie zum Beispiel eine Ausweitung der steuerlichen Forschungsförderung. „Die Pandemie geht vorüber, aber die grundsätzlichen Aufgaben bleiben“, resümiert der VDMA-Präsident.

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