Industriedienstleistungen

Andreas Mühlbauer,

Von Südkorea nach Deutschland

Maschinen und Anlagen von Südostasien nach Deutschland zu verlegen, ist eine hoch komplexe und anspruchsvolle Aufgabe. Der Spezialist für Industriedienstleistungen und Instandhaltung, Wisag, hat diese Aufgabe im Falle einer kompletten Montagelinie übernommen. 

Gut drei Wochen waren die Experten von Wisag mit der Demontage und Verpackung der Anlagen beschäftigt. © Wisag

Wer schon einmal umgezogen ist, weiß, wie viel Arbeit das bedeutet: Alles muss an einem Ort sorgsam zerlegt, verpackt und dann transportiert und anschließend selbstverständlich wieder entpackt und – im Idealfall vollständig und unbeschadet – aufgebaut werden. Durfte man dabei einmal in den Genuss eines professionellen Umzugsunternehmens kommen, möchte man darauf nie wieder verzichten. Diese Erfahrung hat auch Perlon gemacht. Die globale Unternehmensgruppe, die sich auf die Herstellung von synthetischen Filamenten spezialisiert hat, fertigt in ihren Werken in Deutschland, den USA und China Filamente für Anwendungen in der Papiermaschinenindustrie, der Bürstenindustrie, für technische Textilien sowie für die Kosmetik und Dentalanwendungen. Als das Produktionswerk in Südkorea geschlossen wurde, beauftragte das Unternehmen die Wisag Industrie Service Gruppe, einen der größten Industriedienstleister Deutschlands, mit der Verlagerung von Maschinen- und Anlageteilen ins baden-württembergische Munderkingen, das hessische Wald-Michelbach und in die USA.

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Was bei jedem durchschnittlichen Umzug gilt, gilt in diesen Dimensionen umso mehr: Vorbereitung ist alles! „Wer richtig organisiert, spart Zeit und damit Geld“, sagt Jörg Gollasch, Leiter Instandhaltung, Anlagentechnik und Industriemontage der Wisag Produktionsservice GmbH in Donaueschingen. „Die Dauer der Vorbereitungsphase für einen solchen Umzug lässt sich erstmal nicht pauschalisieren – sie variiert je nach Maschinentyp, Örtlichkeit, Anwenderbranche und Anlagengröße. Für Perlon verbrachten wir insgesamt sechs Wochen mit der Planung des Umzugs. Was man nicht unterschätzen darf, ist die Dauer für das Einholen einer Einreise- und Arbeitsgenehmigung. In Südkorea ist dies zum Glück deutlich weniger problematisch als beispielsweise in anderen asiatischen Ländern wie Indonesien oder Indien.“

Zum Seetransport werden die Linien in einzelne Packstücke verpackt. © Wisag

Andere Länder, andere Bestimmungen

Drei Mitarbeiter der Niederlassung Donaueschingen, darunter zwei Leitmonteure, waren vor Ort im südkoreanischen Sejong, um die Projektleitung zu übernehmen und das Verpackungsteam vor Ort zu koordinieren. „Bei grenzüberschreitenden Transporten ist es zunächst einmal unverzichtbar, sich intensiv mit dem jeweiligen Land, den Gesetzen und Bestimmungen sowie den dort lebenden Menschen und deren Kultur auseinanderzusetzen“, betont Gollasch. „Länderspezifische Unterschiede bestehen beispielsweise bei der Verzollung, den Arbeitsgenehmigungen, den Transportbestimmungen und den Versicherungen – und selbstverständlich auch beim Arbeitsschutz.“ Je nach Anwenderbranche und Montageprojekt geht daher bei vielen Einsätzen der Wisag eine Einweisung durch einen Trainer voraus, der zuvor an einer Besprechung mit dem Kunden teilnimmt, bei der mögliche Risiken in Bezug auf Montage und Örtlichkeit identifiziert und Maßnahmen zu deren Minimierung festgelegt werden.

Das Stauen der Seecontainer. © Wisag

Insgesamt zehn Container mit einer Grundfläche von je rund 28 Quadratmeter verlagerte Wisag innerhalb von rund zwei Monaten von Sejong nach Deutschland und in die USA. Gut drei Wochen waren die Experten mit der Demontage und Verpackung der Anlagen beschäftigt. Nach der langen Seereise brauchten vier Mitarbeiter von Wisag knapp zwei Wochen, um die Maschinen am Zielort wieder zu errichten. Dabei übernahm der Dienstleister sämtliche Schritte der Industriemontage: angefangen mit der Vorbereitung der Demontage, die Demontage selbst, die Verpackung, den Transport der Anlage zum neuen Ort bis hin zur Vorbereitung der Remontage, wobei die anschließenden Endarbeiten zur Inbetriebnahme von der in Munderkingen ansässigen Hahl Filaments übernommen wurde. „Die Wisag Produktionsservice war bei diesem Auftrag der Generalunternehmer“, erklärt Gollasch. „Die Demontage der Maschinen war jedoch unsere Hauptaufgabe. Im Bereich Seeverpackung, Seetransport und Verzollung arbeiten wir mit der Firma Leschaco/Lexau aus Bremen zusammen, einem zuverlässigen und langjährigen Partner, der im asiatischen Raum sehr erfahren ist.“

Demontage auf kleinem Raum

Seefertig verpackte Anlagenteile in Alufolie mit Trockenmittel – am Packstück rechts ein Bild des Inhalts. © Wisag

Die größte Herausforderung stellten für den Industriedienstleister die beengten Räumlichkeiten dar. Schon vor der Demontage war der Platz zwischen den Maschinen begrenzt – nun mussten diese jedoch in der rund 800 Quadratmeter großen Halle demontiert, verpackt und in die Container verbracht werden. „Naturgemäß nehmen demontierte Anlagen deutlich mehr Fläche ein als montierte. Zusätzlich mussten wir die Transportböden für die Container in der Halle unterbringen. Da es nicht möglich war, mehr als einen Container vor der Halle zu beladen, mussten die An- und Abfahrten der Seecontainer ganz genau geplant werden. Lückenlose Organisation und logistisches Geschick waren hier unabdingbar!“ Und auch die Koordination der Mitarbeiter vor Ort stellte den versierten Dienstleister vor eine große Aufgabe: „Auch wenn wir mittlerweile auf viele Jahrzehnte Erfahrung in der Industriemontage zurückblicken, ist es doch immer eine Herausforderung, in einem anderen Kulturkreis zu arbeiten“, erklärt Gollasch. „Wie jedes andere Land hat auch Südkorea eine ganz eigene Mentalität, eine andere Herangehensweise an Aufgaben und einfach eine andere Arbeitsweise. Arbeitszeiten sind anders als in Deutschland, der Umgang mit Krankheit sowie Feier- und Urlaubstagen unterscheidet sich grundsätzlich von dem, was wir gewohnt sind – jedes Mal eine große Umstellung für unsere Mitarbeiter, die wir jedoch auch dieses Mal erfolgreich bewältigen konnten.“

Zufrieden mit dem reibungslosen Ablauf der Verlagerung zeigt sich auch der Kunde: „Wir sind froh, mit Wisag einen kompetenten Dienstleister gefunden zu haben, der jahrzehntelange internationale Erfahrung vorweisen kann und weiß, welches Vorgehen bei einer so komplexen Aufgabe das sinnvollste ist“, sagt Wolfgang Fuchs, Head of TQM, MDK & AFF und Manager Procurement bei Perlon. „Die Dauer der Verlagerung entsprach der vorherigen Kalkulation, und durch die Übernahme des Projektmanagements durch Wisag konnten wir uns sicher sein, dass alle Schritte wie geplant durchgeführt werden. Wir werden mit Sicherheit auch in Zukunft mit Wisag zusammenarbeiten, wenn es um die geplante Verlagerung weiterer Montagelinien geht.“

Nora Eckert, Referentin Unternehmenskommunikation bei Wisag / am

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