Verbindungstechnik in CNC-Maschinen

Andreas Mühlbauer,

CNC-Qualität aus Schweden

Bei CNC-Maschinen für die Luftfahrtindustrie kommt es darauf an, sehr große Teile möglichst schnell und dennoch präzise zu bearbeiten. Dies stellt hohe Qualitätsanforderungen an die Anlage, was gleichermaßen für die gesamte Verbindungstechnik gilt. Denn nur wenn alle Komponenten höchsten Ansprüchen genügen, gilt dies auch für die gesamte Maschine. 

Modig baut für die Luftfahrtindustrie modernste CNC-Spezialmaschinen und Vorrichtungen zur Bearbeitung großer Tragflächenteile. © Hannover Messe / Ralf Baumgarten

Aus der südschwedischen Ortschaft Virserum kommen riesige CNC-Maschinen für die Luftfahrtindustrie. Entwickelt und gebaut werden sie von Modig Machine Tool. Zu ihrer hohen Qualität trägt auch die Verbindungstechnik bei. David Modig ist damit groß geworden. Denn Modig Machine Tool ist ein Familienunternehmen wie aus dem Bilderbuch: Gegründet hat es Davids Großvater Harry Modig 1947 gemeinsam mit seinen Brüdern Arne, Sture und Erik Modig. Außerdem arbeiteten zwei weitere Brüder im Betrieb, der damals noch den Namen Modig Mekaniska Verkstad AB trug.

Nachdem Harry Modigs Sohn Percy die Leitung der Firma übernommen hatte, nahm er seinen Sprössling David oft mit in die Fabrikhalle. „Dort bin ich schon als kleiner Junge herumgerannt“, erzählt der Juniorchef und deutet hinunter in die Halle, in der mächtige Stahlteile stehen, jedes viele Tonnen schwer, und Maschinengehäuse, die eine ganze Halle ausfüllen. Heute ist David Modig 39 Jahre alt und lenkt die Geschicke des Unternehmens in dritter Generation. Sein Vater Percy (69) hatte ihm 2011 die Leitung übertragen, ist aber nach wie vor im Betrieb aktiv.

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Mit Bohrmaschinen und Drehbänken hatte die Gründergeneration in Virserum begonnen. Und es gelang der Familie schnell, auf dem Weltmarkt Fuß zu fassen. Schon im vierten Jahr seines Bestehens zählte die mechanische Werkstatt Unternehmen aus England, den USA und Südafrika zu ihren Kunden. Heute, rund 70 Jahre später, genießt Modig Machine Tool einen exzellenten Ruf nicht nur in der Luftfahrtindustrie. Das Unternehmen hat Niederlassungen in 14 Ländern in Europa, Asien, Nordamerika und dem Mittleren Osten. Es beschäftigt weltweit 60 Mitarbeiter und hat im Jahr 2018 einen Umsatz von rund 400 Millionen schwedischen Kronen erzielt, das entspricht ungefähr 39 Millionen Euro.

Schneller als der Wettbewerb

Die Schweden sind bekannt für die hohe Qualität und Leistungsfähigkeit ihrer hochmodernen CNC-Spezialmaschinen und Vorrichtungen zur Bearbeitung großer Tragflächenteile. Deshalb gehören Maschinen aus Virserum zur festen Ausstattung namhafter Unternehmen wie Airbus, Boeing, Bombardier oder Cessna. Denn sie sind stark, schnell und arbeiten dennoch außerordentlich präzise. So bearbeitet eine RigiMill, die größte und mit einem Preis von drei Millionen Dollar teuerste Maschine im Portfolio, metergroße Metallteile um 30 Prozent schneller als Maschinen anderer Hersteller. „Das garantieren wir sogar vertraglich“, betont David Modig.

Nicht zu vergessen ihre Langlebigkeit und Robustheit: Noch heute verrichten Modig-Maschinen, die in den 1980er Jahren hergestellt wurden, ihre tägliche Arbeit – sowohl im Stammsitz Virserum als auch bei Kunden. In manchem Unternehmen, in dem viele Maschinen der Schweden im Einsatz sind, heißt es nicht mehr „eine Maschine“, sondern „eine Modig“. In einer RigiMill stecken übrigens rund 2.000 Stunden Arbeit, nur alle drei Wochen verlässt eine dieser Maschinen die Werkhalle.

Ideen, Mut und Qualität

Die Zutaten, aus denen der Erfolg von Modig gemacht ist, sind Mut, Ideenreichtum und kompromisslose Qualität. Den Mut übrigens trägt die Familie im Namen: „Modig“ heißt ins Deutsche übersetzt „mutig“. Und für den Ideenreichtum stehen nach wie vor die Verantwortlichen selbst: Das Konzept ihrer Maschinen entsteht noch immer in den Köpfen von Percy und David Modig. Umgesetzt werden die Ideen der beiden Tüftler mit modernster CAD-Software.

Wie für Schweden üblich, legt Modig natürlich großen Wert darauf, den Kunden nur beste Qualität liefern. Und selbstverständlich gilt der hohe Qualitätsanspruch auch für die kleinsten Komponenten. Grund genug, Kabel und Stecker fast ausschließlich von Lapp Miltronic AB zu beziehen, der schwedischen Lapp-Tochter mit Sitz in Nyköping.

Modig verwendet von Lapp unter anderem den Rundsteckverbinder EPIC LS-3. Der Leistungsstecker wird zur Energieversorgung und für Servoantriebe genutzt. © Modig

Das jährliche Auftragsvolumen liegt bei mehreren 100.000 Euro, und die Liste der Teile, die Lapp 2018 an Modig geliefert hat, umfasst annähernd 300 Positionen – von der Ölflex-Steuerleitung über Skintop-Kabeldurchführungen bis zu Epic-Steckern. Bis zu 700 Meter Leitungen stecken in einer Maschine, der Großteil davon in Energieketten, die Dutzende Leitungen enthalten und diese bei der Bewegung der Maschine über viele Meter sicher führen.

„Das breite Produktspektrum und der erstklassige Support sind wichtige Gründe, dass wir Lapp als Lieferant für Verbindungssysteme ausgewählt haben“, sagt Tony Carlzén, bei Modig zuständig für die Beschaffung. Nicht zu vergessen die Qualität. So fordert Modig von Unternehmen, die als bevorzugte Zulieferer gelistet werden wollen, dass sie über Jahre hinweg gleichbleibend hohe Qualität nachweisen können. Außerdem müssen sie immer ausreichend Lagerpuffer und eine verlässliche Bedarfsprognose haben, um Produkte auch kurzfristig zu liefern, sobald sie benötigt werden.

Schon seit den frühen 1990er Jahren arbeitet Modig mit Lapp Miltronic zusammen. Zunächst lieferte die heutige Lapp-Tochter ausschließlich Kabel. Heute sind es viele weitere Produkte und Komplettlösungen der Verbindungstechnik. Geblieben ist der Qualitätsanspruch. Er ist das wichtigste Argument für Modig, an Lapp als Zulieferer festzuhalten. Allerdings gewinnen zunehmend weitere Aspekte an Bedeutung. Dies sind vor allem Flexibilität, Liefertreue und prompter Service, wenn er gefordert ist.

Die Qualität der Produkte zeigt sich beispielhaft am Rundsteckverbinder Epic LS-3. Der Leistungsstecker wird zur Energieversorgung und für Servoantriebe genutzt. Natürlich, sagt Tony Carlzén, habe man sich auch preisgünstigere Steckverbinder anderer Hersteller angeschaut, „aber keiner hat unsere Qualitätsansprüche erfüllt.“

Expansion und Digitalisierung

Derzeit baut Modig eine neue, voll digitalisierte Fabrik in der verkehrsgünstig gelegenen Hafenstadt Kalmar. Und auch die wird selbstverständlich Topqualität liefern, macht David Modig deutlich. Das 70 Meter lange Gebäude mit silberner Metallfassade wird auf 8000 Quadratmetern Forschung, Endmontage, Kundencenter und Büros beherbergen. Von hier aus will Modig vor allem Kunden in der Schwerindustrie oder der Automobilbranche auf dem europäischen Kontinent gewinnen, nicht zuletzt auch in Deutschland. David Modig freut sich schon jetzt auf den künftigen Personalausbau: „In Kalmar werden wir auch leichter das Personal finden, das wir für unsere Expansionspläne brauchen.“

Auch am neuen Standort werde Lapp zu den bevorzugten Lieferanten von Modig zählen, stellt Tony Carlzén klar. „Wir arbeiten sehr transparent zusammen und haben ein gemeinsames Ziel: immer bessere und kosteneffektive technische Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln, um gemeinsam wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Bernd Müller, freier Journalist

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