Datenerfassung und -verarbeitung

Andrea Gillhuber,

Mobile Einsatzszenarien in der Fertigung

Mobiles Arbeiten über beliebige Endgeräte und nahezu überall macht unternehmensweite Prozesse transparenter und produktiver – von Wareneingang bis Wartung. Doch mobile Technologien bringen nur dann die gewünschten Produktivitätsfortschritte, wenn sie auf den gemeinsamen Datenbestand des ERP-Systems im Unternehmen zugreifen.

Mobiles Arbeiten macht unternehmensweite Prozesse transparenter und produktiver. © Shutterstock / Chinch

Mobile Lösungen im Doppel mit maßgeschneiderten ERP-Systemen verbessern die Produktionsplanung und optimieren dabei die gesamte Wertschöpfungskette: Werker können damit die Aktivitäten zu einem Auftrag mobil von überall auf dem Shopfloor abrufen. Produktionszeiten, -mengen und Projektabschlüsse werden ebenso zurückgemeldet wie Fremdleistungen oder Transport. Darüber hinaus helfen mobile Lösungen dabei, die Fertigungsaufträge in Echtzeit zu verfolgen und die Maschinenbelegung anzuzeigen.

Viele Werker sitzen selten an einem festen PC-Arbeitsplatz, sondern sind ständig in der Fertigung unterwegs und benötigen mobil Informationen zu Materialbeständen oder Fertigungsaufträgen. Vertrieb und Kundenservice sind vor Ort auf detaillierte Informationen zu ihrem Kunden und den eingesetzten Produkten angewiesen. Auch das Management von Lagerbeständen, das Kommissionieren und die Inventur gehen mit mobilen Lösungen schneller und präziser. Und mit Portalen zum Self-Service lassen sich Kunden und Lieferanten in die Geschäftsprozesse einbinden.

Um Bestellungen termingerecht auszuliefern, muss jeder Prozessschritt in der Lieferkette bis ins Lager reibungslos funktionieren. Das beginnt schon bei der mobilen Anbindung von Zulieferern. Über ein spezielles Portal können diese Anfragen einsehen, Angebote abgeben und Bestellungen bestätigen. Außerdem sieht jeder Lieferant, welche Produkte zu welchem Zeitpunkt zu liefern sind. Einen Digitalisierungsschritt weiter gehen Portale, die den Bestand gelieferter Produkte im Lager des Fertigers anzeigen. Je nach Rahmenvereinbarung werden Folgelieferungen dann eigenverantwortlich vom Zulieferbetrieb übernommen. Das entlastet den Einkauf und verbessert Transparenz und Zusammenarbeit im Prozess.

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Belastbare Bestandsdaten im Lager

In vielen mittelständischen Produktionsbetrieben erfolgt die Wareneingangsbuchung im Lager immer noch händisch – Fehlbuchungen durch Eingabefehler sind vorprogrammiert. Über mobile Geräte lassen sich eintreffende Lieferungen jedoch direkt in das ERP verbuchen – selbst ungeplante Zu- und Abgänge werden so medienbruchfrei erfasst. Das bestandführende ERP-System verwaltet die gescannten Serien- oder Chargennummern sowie Varianten, etwa verschiedene Farben oder Größen eines Teils.

Eine mobile Logistiklösung beseitigt zudem zeitaufwendige Nachbearbeitungen, etwa bei einer Lagerumbuchung, da eine Lagerentnahme sofort wiederum im ERP erfasst wird. An dieser Stelle ist es allerdings wichtig, dass die entnommene Ware auf einen Transferbestand gebucht wird, bis sie am Ziellagerort angekommen ist. Dies vermeidet versehentliche Nachbestellungen aufgrund eines vermeintlich sinkenden Bestands.

Moderne ERP-Systeme stellen Pickaufträge für die Lagerentnahme ebenfalls mobil bereit. Dazu erfassen Scanner oder Sensoren die Etiketten in Kommissionierzonen, auf Behältern oder einzelnen Teilen. Unmittelbar im Anschluss werden die Daten per Funk ins ERP-System übertragen. Bis die Ware an ihrem Bestimmungsort eintrifft, kann sie so zudem jederzeit online nachverfolgt werden.

Mobile Produktionsüberwachung

Mobile Technologien optimieren nicht nur Prozesse in der Intralogistik. Die mobile Erfassung und direkte Weiterverarbeitung von Betriebsdaten sorgen in gleicher Weise für fehlerfreie Produktionsabläufe: Über mobile Geräte rufen Werker ihre nächsten Aktivitäten zu einem Produktionsauftrag von überall in der Werkshalle ab. Die Anwendung zeigt ihnen dabei alle nötigen Details zu Aufträgen und Artikeln an  – nebst dazugehörigen Teile- und Bestandsinformationen, Serien- und Chargendaten. Materialentnahmen werden wiederum mobil zurückgemeldet. Eine verständliche, auf die Aufgabe reduzierte Anwendung vereinfacht dabei die Orientierung und hilft, Fehler zu vermeiden. Sie erfasst nach Bedarf Zeiten und Mengen – sowohl Gutmengen als auch Ausschuss. Aktuelle ERP-Systeme sind daneben in der Lage, retrograde Buchungen zu definieren. All dies hilft, die Feinplanung zu präzisieren und eine Nachkalkulation zu beschleunigen.

Mobile Lösungen helfen, geplante wie ungeplante Fertigungsaufträge zu verfolgen. Beispielsweise kann ein Realtime-Tracking-System Werkstücke oder Werkstückträger bis auf 10 Zentimeter genau in einer Werkshalle orten. Aus der jeweiligen Position lässt sich ableiten, ob sich ein bestimmter Auftrag im Zustand des Halbzeugs oder bereits in der Endmontage befindet. Wird dieser Status laufend ans ERP-System zurückgemeldet, ist der Vertrieb stets auf dem aktuellen Stand und Kunden gegenüber jederzeit auskunftsfähig – ohne in der Produktion nachfragen zu müssen.

Eine mobile Lösung zur Optimierung der Intralogistik hat bei der Spier GmbH & Co. Fahrzeugwerk KG eine große Bedeutung. Der mittelständische Systemlieferant bietet ein vielfältiges Fertigungs- und Dienstleistungsspektrum rund um Lkw-Aufbauten und Transportlösungen. Seit über 20 Jahren begleitet der ERP-Hersteller ProAlpha den Hersteller aus Ostwestfalen.

Spier hat in der Regel nur 20 Arbeitstage ab der Anlieferung eines Fahrgestells bis zur Auslieferung des gewünschten Gesamtfahrzeugs. Ohne eine Digitalisierung des Lagers wäre eine solche knappe Durchlaufzeit nicht möglich. Für eine dynamische Lagerhaltung sind alle Artikel, Flächen und Bereiche mit Barcodes gekennzeichnet. Materialzu- und -abgänge buchen die Lageristen mit mobilen Geräten in Echtzeit. Dies beschleunigt den Informationsfluss. Das weitläufige Firmengelände und die Größe der hergestellten Aufbauten haben diesen Informationsfluss in der Vergangenheit erschwert. Heute kennen alle Mitarbeiter den echten Bestand und sehen, ob sich ein bestimmtes Teil bereits auf dem Weg zur Montage befindet.

Mobile Lösungen im Lager sind auch bei der Schwank GmbH das Herz eines optimierten Warenflusses. Das Kölner Traditionsunternehmen entwickelt und realisiert Systeme zum Heizen und Kühlen von Sport-, Industrie- und Logistik-hallen. Für alle Prozesse entlang der Vertriebskette ist das ERP-System die zentrale Datendrehscheibe. „Früher sind die Kollegen mit Stift und Papier durchs Lager gezogen und mussten jede Aktion nachträglich per Hand dokumentieren“, beschreibt Inhaber und Geschäftsführer Oliver Schwank die Veränderungen in seinen Intralogistikprozessen. „Heute erledigen wir alles per Scanner und in Echtzeit“. Der Vorteil: Die „Schnittstelle Lager“ ist keine Unbekannte mehr. Alle Teile-, Material- und Bewegungsdaten werden unmittelbar erfasst, der aktuelle Lagerbestand ist umgehend im System abgebildet.

Datenqualität dank Mobility

Mobile Technologien im Zusammenspiel mit einem auf mobile Einsatzszenarien ausgelegten ERP-System optimieren die Logistik und Produktion. Doch nicht nur diese Prozesse. Auch den Vertrieb, Service und die Unternehmensleitung unterstützen heute mobile Lösungen. Die enge Verzahnung mit dem ERP als digitalem Rückgrat und die medienbruchfreie Erfassung von Informationen helfen, die Qualität des Datenstroms und damit auch die Grundlage für abgeleitete Aktionen sowie strategische Entscheidungen zu optimieren. Eine Grundvoraussetzung für weitere Schritte hin zu einer Industrie-4.0-gerechten Produktion.

Daniel Schüllner, Produktmanager Usability and Mobile bei ProAlpha / ag

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