Modische Arbeitskleidung

Andreas Mühlbauer,

Was Profis sich wünschen

Die Erwartungen von Unternehmen und ihrer Mitarbeiter an Berufskleidung haben sich verändert. Es geht nicht mehr nur um Funktionalität, sondern immer mehr auch um Identität. Die Kleidung soll zeigen, wer man ist. Gerade das Handwerk drückt so seine Kompetenz aus und zeigt sein Markenbild. Wie Konfektionäre und Mietdienstleister darauf reagieren. 

Knietaschen zählen zu den praktischen Details der Premiumkollektion von DBL. © DBL

Der Mann, der gerade an der Kasse der Tankstelle zahlt, trägt mit lässigem Selbstverständnis seine Arbeitskleidung und scheint sich wohl darin zu fühlen. Er wirkt cool, souverän und attraktiv. Und verschwindet dann auch schon im Firmenwagen zum nächsten Einsatzort. Workwear? Ist eben auch Kleidung – und wird mit viel Selbstbewusstsein getragen. Ein Bild, das sich immer öfter zeigt. „Und es ist das, was sich Konfektionäre wünschen, wenn sie Berufskleidung designen“, sagt Carla Cacitti, Leiterin Produktmanagement und Entwicklung bei BP Bierbaum & Proenen, dem Kölner Hersteller von Arbeitskleidung.

So sind die optischen Übergänge zwischen Berufskleidung sowie Trekking- und Outdoormode längst fließend. Mittlerweile hat sich das Verhältnis dabei gewandelt. Nahm bislang die Freizeitkleidung vorwiegend Einfluss auf die Arbeitskleidung, funktioniert es heute zunehmend umgekehrt. Vor allem auch, weil sie smart designt ist und sich dazu auch höchst komfortabel tragen lässt. Allerdings gilt weiterhin: „Auch wenn die Optik bei der Arbeitskleidung einen immer höheren Stellenwert hat, muss sie die Träger darüber hinaus durch klar durchdachte Funktionalität und Tragekomfort überzeugen“, sagt Cacitti. „Die Professionalität ist den Trägern extrem wichtig.“

Anzeige

Dahinter steckt auch ein verstärkter Wunsch nach Identität und ein neues Selbstbewusstsein. So meint Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Modeinstituts (DMI): „Das Handwerk hat in einem überakademisierten Deutschland wirtschaftlich und gesellschaftlich eine deutliche Aufwertung erfahren. Gesteigerter Berufsstolz  – das drückt sich in ästhetischen Selbstäußerungen, sprich Berufskleidung, aus. Hier ist wieder identitätsstiftende Berufskleidung gewünscht, mit der sich die Menschen nach außen definieren können und innerhalb privater und beruflicher Gruppen anerkannt werden.“

Herausfinden, was der Träger will

Doch wie genau finden die Hersteller und Anbieter von Berufskleidung heraus, was bei den Trägern gut ankommt, welche Erwartungen sie haben? Wie vereinen sie dabei gewünschte, berufsspezifische Funktion mit lässigem Style? Verbinden hohen Tragekomfort mit starker Optik, die die Profession auf den ersten Blick zeigt? „Wir machen für den Bereich Workwear, ebenso wie für medizinische Berufe, regelmäßig Trägerbefragungen mit ausgewählten Zielgruppen, stellen Kleidung vor, sehen uns an, wie die Träger darauf reagieren – und bieten entsprechende Kollektionen an“, beschreibt Carla Cacitti das Prozedere.

Arbeitskleidung soll funktional, bequem und modisch zugleich sein. © DBL

Eines der Ergebnisse: Es geht heute verstärkt um das Wohlgefühl, die Souveränität und die Wertschätzung der Arbeitnehmer. Es ist weniger ein Trend als ein gesellschaftlicher Wandel, dass Arbeitnehmer ihr Mitspracherecht bei der Auswahl der Arbeitskleidung einfordern, sich in ihrer Kleidung wohlfühlen und sich in ihrer Professionalität bestätigt sehen möchten. Und: Die Arbeitgeber folgen diesem Anspruch nach Wertschätzung. Hier findet in nahezu allen Branchen ein Umdenken statt.

Längst vorbei sind die Zeiten, als die Mitarbeiter stillschweigend akzeptiert haben, was die Arbeitgeber ihnen an Kleidung stellten. Zeit für einen Umbruch. Das stellt auch die DBL, ein bundesweiter Verbund mittelständischer textiler Mietdienstleister, fest. Bei der Entwicklung der eigenen Premiumkollektion wurden deshalb im Vorfeld ebenfalls Kritik, Anregungen und fundierte Meinungen der deutschen Kunden gesammelt.

„Daraus entstand eine Liste, die den Maßstab für unsere aktuelle Premiumkollektion DBL Meisterstück bildete. Erst danach luden wir Gewebehersteller, Konfektionäre und Designer zu ersten konzeptionellen Gesprächen ein“, beschreibt Thomas Krause, DBL, die Entwicklungsgeschichte der Kollektion. „Aus den Abfragen wurde klar, dass die Ansprüche der Menschen an die Optik, an das Design und die Qualität der Berufskleidung enorm gestiegen und immer stärker in den Vordergrund gerückt sind.“

So ist man bei der DBL davon überzeugt, dass viele Menschen heute nach einer wirklich besonderen Berufskleidung suchen. Und reagierte mit der – inzwischen mit dem German Design Award ausgezeichneten – Kollektion. Diese bildet, so Thomas Krause, in ihrem Erscheinungsbild, in ihrer Funktionalität und ihrem Tragekomfort genau diese Erwartungen ab. „Denn schließlich wollen die Träger heute eine solche Wertigkeit und Professionalität zur Darstellung ihrer eigenen Kompetenz nutzen. Und sie wollen sich gleichzeitig absolut authentisch und wohl in der Kleidung fühlen.“

Individuell auftreten und sich wohl fühlen

Bei der Entwicklung der Premiumkollektion bildeten Kritik, Anregungen und Meinungen der DBL-Kunden den Maßstab. © DBL

Für die Bekleidungsingenieurin Corinna Horndahl vom Hamburger Konfektionär Teamdress, die maßgeblich an der Entwicklung der Kollektion DBL Meisterstück beteiligt war, steht vor allem der Wohlfühlcharakter der Kleidung im Fokus. Und dazu gehört für sie eine entsprechende Auswahl an Artikeln innerhalb einer Kollektion. Laut der Bekleidungsexpertin reichen Latzhose, Bundhose und Jacke heute nicht mehr aus. „Gewünscht werden verstärkt zum Design passende Funktionstextilien wie Softshell- und Fleecejacken. Hier ist die Nachfrage sehr stark. Auswahl und Vielfalt in einer Kollektion sind heute für den individuellen Auftritt und das eigene Wohlgefühl ein absolutes Muss.“

Dazu gehören übrigens auch deutlich mehr Stretchelemente und elastische Gewebe, auf die die meisten Träger auch im Job nicht verzichten möchten. Entsprechend häufig sind solch dehnbaren Materialien heute in moderner Workwear verarbeitet. Und es gibt eine deutliche Weiterentwicklung in Bezug auf deren Qualität und Waschbarkeit. „Bei allem modischen Selbstbewusstsein – die Kleidung muss auch extreme Bewegungen mitmachen, muss gut sitzen und absolut bequem sein“, sagt Corinna Horndahl. Das alles schafft moderne Workwear heute – und das wird von ihren Trägern auch erwartet.

Silke Vogten, Freie Journalistin / am

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Berufskleidung

Die 5 Trends 2019 für Arbeitskleidung

Berufskleidung hat sich in den vergangenen 10 Jahren stark verändert. Sie ist für Beschäftigte von einem Arbeitsutensil zu einem wichtigen Begleiter geworden, der bequem sein und gefallen soll. Welche 5 Trends 2019 angesagt sind, erklärt...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Forschungsprojekt

Schweißer-Schutzkleidung der Zukunft

Mehr Schutz, einen höheren Tragekomfort und eine ausreichende Waschbeständigkeit bei Schweißer-Schutzkleidung waren das Ziel eines gemeinsamen Forschungsprojekts (AiF-Nr. 17680 N) des Deutschen Textilforschungszentrums Nord-West (DTNW) in Krefeld...

mehr...

Schutzkleidung

Schwer zu entflammen

Berufsbekleidung muss viele Eigenschaften vereinen, denn die Ansprüche von Berufsgenossenschaften, Gesetzgebern oder auch Arbeitgebern steigen stetig. Bewährt hat sich Cordura-Gewebe, welches seit Jahren in vielen Bereichen Einsatz findet. Laut Dirk...

mehr...