Arbeitssicherheit

3 Tipps, wie Industrie-Unternehmen ihren Corona-Schutz verbessern

Die weltweite Corona-Pandemie macht eine Reihe neuer Sicherheitsmaßnahmen in der Industrie unerlässlich. Wie gelingt es, diese möglichst schnell und lückenlos umzusetzen? Wir haben die drei wichtigsten Tipps zusammengetragen.

Arbeitsschutz geht gerade in Corona-Zeiten über das Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung hinaus. © Martin Bergsma/Shutterstock.com

Bei der Einführung von Corona-Schutzmaßnahmen gilt höchste Dringlichkeit. Denn wenn weitergearbeitet werden muss oder soll, steht die Gesundheit der Mitarbeiter an erster Stelle. Gleichzeitig sind die Einführung und Sicherstellung neuer Regeln und Prozesse essenziell, um Betrieb und Produktivität auch zukünftig aufrechtzuerhalten. Dabei entscheidet die konsequente Mitwirkung der Mitarbeiter über den Erfolg der Maßnahmen.  

1. Schulen, erinnern, sicherstellen

Fast täglich gibt es neue Erkenntnisse zum Corona-Virus. Standard Operating Procedures (SOPs) ändern sich dadurch schneller als je zuvor. Für klassische Präsenzschulungen fehlt nicht nur die Zeit, sie fallen auch aus zwei weiteren Gründen aus: Zum einen gilt es, Menschenansammlungen zu vermeiden, zum anderen müssen die neuen Regelungen und Anweisungen sehr schnell im Verhalten der Mitarbeiter verankert werden.

Ein einfaches Beispiel sind die Vorsichtsmaßnahmen, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung den Arbeitgebern empfiehlt. Neben dem regelmäßigen gründlichen Händewaschen mit Seife sind Oberflächen, mit denen man am Arbeitsplatz in Berührung kommt, bei Dienstantritt gründlich zu desinfizieren und zu reinigen. Das können auch Hebel, Knöpfe und Tastaturen sein. Gleichzeitig gilt es, einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Menschen einzuhalten und – wenn möglich – häufig zu lüften.

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Ein traditioneller Weg, an die Einhaltung dieser Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen zu erinnern, sind einfache Aushänge in Produktions- und Lagerhallen, Umkleiden oder Sanitätsräumlichkeiten. Moderne mobile Anwendungen erfüllen diese Aufgabe jedoch weit effektiver und effizienter: Sie weisen zum Beispiel einen Mitarbeiter immer wieder persönlich an, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Eingebettete Videos erklären die korrekte Vorgehensweise. Über interaktive Checklisten wird die Einhaltung von Regeln bestätigt. Damit übernehmen die digitalen SOPs die kontinuierliche, konsistente Sicherheitsschulung am Arbeitsplatz und stärken ein sicheres Verhalten jedes einzelnen Mitarbeiters. In Summe entsteht daraus ein proaktives Corona-Sicherheitsmanagementsystem für den gesamten Betrieb.

2. Schnellstmögliche Meldung von Vorfällen an das EHS-Team

Viele sicherheitsrelevante Zwischenfälle, insbesondere kleinere, werden bisher nur schlecht oder gar nicht dokumentiert. Wenn überhaupt, werden sie oft lange nach dem Ereignis an die Verantwortlichen im Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz (Environment, Health und Safety, EHS) gemeldet. Dies ist in Zeiten der Pandemie nicht mehr vertretbar. Wer Verdachtsfällen nicht sofort nachgeht und es dadurch versäumt, möglicherweise infizierte Personen rasch zu erkennen, riskiert nicht nur die Gesundheit seiner Belegschaft. Breitet sich der Virus im Unternehmen aus, droht die Personaldecke unter das nötige Minimum zu sinken. Im schlimmsten Fall steht der gesamte Betrieb still.

Ein wichtiger Fokus liegt darum auf der Einlasskontrolle von Lieferanten und anderen Besuchern. Durch Checklisten lässt sich das Risiko einer akuten Covid-19-Infektion minimieren: War der Besucher in den letzten Wochen in einem Risikogebiet? Hatte er Kontakt zu erkrankten Personen? Zeigt er selbst Symptome, wie beispielsweise blaue Lippen? – Im Verdachtsfall muss der zuständige Sicherheitsmitarbeiter sofort EHS einschalten. Schneller, diskreter und zuverlässiger gelingt dies, wenn der Einlass-Check direkt am Tablet ausgefüllt wird. Wirft eine Antwort Zweifel auf, erhalten EHS-Verantwortliche in Echtzeit eine Kurznachricht. Sie können ohne Verzögerung aktiv werden und die nötigen Maßnahmen in Gang setzen. Ebenfalls wichtig: Das digitale System dokumentiert die gesamte Kommunikation rund um den Vorfall lückenlos. Damit können Unternehmen im Zweifelsfall nachweisen, ihrer Sorgfaltspflicht Genüge getan zu haben.

3. Gefährdungen konsequent prüfen

Gefährdungsbeurteilungen – oder auch Job Safety Analysis (JSAs) – sind für einen einwandfreien Corona-Schutz ebenso unerlässlich wie generell für gutes Sicherheitsmanagement. Dabei wird untersucht, welche Gefahren mit einer bestimmten Tätigkeit verbunden sind. Hier rücken nun ganz neue Risikoquellen in den Fokus. In Zeiten von Social Distancing ist beispielsweise die persönliche Übergabe beim Schichtwechsel auf einmal als potenziell gefährlich zu bewerten. Die JSA ist nicht nur entsprechend zu aktualisieren, ihre Ergebnisse müssen auch an die Mitarbeiter weitergegeben werden. Nur so lässt sich ein Bewusstsein für die neuen Sicherheitsrisiken im Betrieb schaffen.

Das Problem: Die meisten Analysen basieren immer noch auf Papier. Damit ist zwar die Forderung nach einer systematischen Prüfung und Dokumentation jedes einzelnen Schrittes erfüllt. Trotzdem bleibt der Nutzen gering: Denn die meist frei formulierten Antworten bieten großen Interpretationsspielraum. Beobachtungen lassen sich so nur schwer zu Kategorien bündeln und in Handlungsanweisungen überführen. Mögliche Risiken bleiben unerkannt.

Moderne digitale Werkzeuge können hier helfen, den Beurteilungs-Prozess zu standardisieren: Unternehmen stellen damit ihren Mitarbeitern interaktive Formulare mit klaren Parametern für Beobachtungen und Eingaben bereit. Sowohl die Betriebsleiter als auch das EHS-Management erhalten daraus ein konsistenteres, genaueres Bild der Gefahren.

Im Falle des Schichtwechsels liefern digitale Tools die Lösung des Sicherheitsproblems gleich mit. Per Smartphone kann die Übergabe kontaktfrei geregelt werden: Der Austausch erfolgt über das Handy, wobei Checklisten, Sprachnachrichten, Chat, Foto oder Video zur Dokumentation zur Verfügung stehen. Gab es beispielsweise in der ersten Schicht Probleme mit einem bestimmten Maschinenteil, steht diese Information dem Kollegen der nächsten Schicht als Foto oder Video auf seinem mobilen Gerät zur Verfügung.

Wichtig für global agierende Unternehmen: Wie allgemein beim Arbeitsschutz, so unterscheiden sich von Land zu Land auch die Bestimmungen im Umgang mit dem Virus. Hier können mobile Plattformen wie Parsable ebenfalls unterstützen. Sie vereinfachen es, technische, organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen regional zu adaptieren und in allen weltweiten Produktionsstätten in Echtzeit zu etablieren.

Fazit

Die direkte Vernetzung von Arbeitern mit digitalen Anweisungen auf mobilen Geräten trägt wesentlich zum Arbeitsschutz während der Corona-Pandemie bei. Denn sie ermöglicht die Erfassung von Daten durch die Mitarbeiter in Echtzeit. Dabei befinden sie sich im direkten Austausch mit den Verantwortlichen. EHS- und Betriebsleiter schaffen damit ein Umfeld, in dem die besten Sicherheitspraktiken so integriert sind, dass sie konsequent befolgt werden. Überdies ist es jederzeit einfach möglich, sie an neueste Entwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse dynamisch anzupassen und so einen gleichbleibend hohen Arbeitsschutz zu gewährleisten.  

Um der Pandemie Einhalt zu gebieten, gilt im Moment schließlich vor allem eines: schneller zu sein als der Virus.

Lawrence Whittle, CEO, Parsable, San Francisco

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